Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung

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Inhaltsbereich: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung

Wirtschaftliche Entwicklung in den neuen Bundesländern und ihre Hintergründe

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Kurzbeschreibung

"(1) Der strukturelle Wandel in Ostdeutschland ist keineswegs abgeschlossen. Auch in der absehbaren Zukunft werden wir noch mit einem Nebeneinander von Expansion und Schrumpfung leben müssen. Die Schrumpfung der Produktion im Bausektor und im Staatssektor stellt nicht das Ende des Aufholprozesses dar, sondern ist notwendige strukturelle Anpassung. Auf Expansionskurs steht hingegen die Industrie. (2) Dabei beeindrucken nicht allein deren hohe Produktionssteigerungsraten, sondern wie diese zustande kommen. Dahinter stehen innovative Sektoren, die sich nicht nur an inländischen, sondern besonders dynamisch auch an ausländischen Märkten bewähren. Freilich ist der industrielle Prozeß wohl noch nicht selbsttragend. Die Unternehmen sind nach wie vor kapitalschwach und daher bei Marktstörungen besonders anfällig. (3) Die ostdeutsche Beschäftigung wird vorerst kaum ansteigen; zwar ist mittelfristig eine Beschäftigungsausweitung möglich, doch wird dadurch allein die Arbeitslosigkeit in Ostdeutschland nicht beseitigt werden können. Ein kritisches Problem ist, daß in Ostdeutschland zwar mehr Menschen arbeiten wollen als in Westdeutschland, aber es keinerlei Akzeptanz von Rahmenbedingungen gibt, die in Ostdeutschland eine höhere Erwerbstätigkeit ermöglichen würden als in Westdeutschland. Daher wird sich der Rückgang der Erwerbsbereitschaft, der seit vielen Jahren stattfindet, wohl oder übel fortsetzen. (4) Noch können wir auf spezifische staatliche Wirtschaftsförderung in Ostdeutschland nicht verzichten. Der Unternehmessektor ist noch nicht gefestigt genug, die unternehmerische Basis ist im ganzen noch zu schmal. Dennoch ist eine Ausdehnung der spezifischen Wirtschaftsförderung für Ostdeutschland ebensowenig ratsam wie eine Verlängerung über das Jahr 2004 hinaus. Der erfolgreiche Teil der Unternehmen bedarf dann der besonderen Förderung nicht mehr, der erfolglose Teil verdient sie nicht mehr. Die Rolle des Staates bleibt aber, die immer noch gewaltigen Defizite in der Infrastruktur zu beseitigen. (5) Im ostdeutschen Transformationsprozeß empfinden sich die Menschen je nach ihrer wirtschaftlichen Lage als Gewinner oder als Verlierer. Es hat den Anschein, daß im Zuge dieser Ausdifferenzierung der für die ersten Jahre nach der Wiedervereinigung unterstellte Konsens, alles, was Arbeitsplätze erhält und schafft, habe Vorrang, bröckelt. Ostdeutschland muß aufpassen, daß die Politik nicht allmählich einen Weg einschlägt, der zwar auf die Verbesserung der allgemeinen Lebensbedingungen zielt, im Effekt aber die Schaffung und Stabilisierung von rentablen Arbeitsplätzen erschwert." (Autorenreferat, IAB-Doku)

Autorin / Autor

  • Pohl, Rüdiger

Bibliografische Daten

Pohl, Rüdiger (1999): Wirtschaftliche Entwicklung in den neuen Bundesländern und ihre Hintergründe. In: E. Wiedemann et al. (Hrsg.), Die arbeitsmarkt- und beschäftigungspolitische Herausforderung in Ostdeutschland. Workshop der Bundesanstalt für Arbeit am 14./15. Oktober 1998 in Magdeburg, (Beiträge zur Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, 223), Nürnberg, S. 25-35.
 

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