Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung

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Presseinformation des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung vom 21.6.2016

Geflüchtete verbinden mit Deutschland Rechtsstaatlichkeit, Menschenwürde und Religionsfreiheit

Die meisten Geflüchteten verbinden mit Deutschland Rechtsstaatlichkeit, Achtung der Menschenwürde und Religionsfreiheit. Diese Werte werden von fast allen Befragten geteilt, zeigt eine Studie, die sich auf Interviews mit 123 Geflüchteten stützt. Erstellt wurde sie vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), dem Forschungszentrum Migration, Integration und Asyl des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF-FZ) und dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) am DIW Berlin. Mit der Durchführung der Befragung war das Sozialforschungsinstitut QMR betraut.

Die meisten Befragten – mit Ausnahme derjenigen aus den Balkanländern – berichteten von persönlichen Bedrohungen durch Krieg und Verfolgung, oft auch von traumatischen Erlebnissen auf der Flucht. Viele Befragte betonten, wie sehr sie Toleranz und Religionsfreiheit in Deutschland schätzen, dass Menschen verschiedener Religionen problemlos zusammenleben können und dass Religion eine Privatsache ist.

Obwohl die meisten männlichen Befragten die Gleichstellung von Mann und Frau als abstraktes Prinzip durchaus unterstützen, stieß in vielen Interviews das in Deutschland gelebte Frauenbild beispielsweise im Hinblick auf Bekleidung, das Auftreten von Frauen in der Öffentlichkeit oder die Arbeitsteilung im Haushalt auf Vorbehalte. Insgesamt sind traditionelle Familienwerte und eine eher paternalistische Grundhaltung, in der dem Mann die Rolle des Schutzes von Ehefrau und Schwestern zukommt, in den Interviews weit verbreitet. Aber fast alle Befragten – Männer wie Frauen – zeigen in den Interviews eine ausgeprägte Erwerbs- und Bildungsorientierung.

Die Bildungsbiografien der Befragten variieren stark in Abhängigkeit von der Situation in den Herkunftsländern. Große Herausforderungen für die Arbeitsmarktintegration sind der Studie zufolge der Erwerb der notwendigen Sprachkompetenz und die Vermittlung realistischer Erwartungen bei den Geflüchteten, insbesondere vor dem Hintergrund fehlender oder nicht vergleichbarer Bildungsabschlüsse. Hinzu komme die Überwindung institutioneller Hürden, die sich beispielsweise durch die Regelungen zur Anerkennung ausländischer Abschlüsse oder die Vorrangprüfung bei der Arbeitsaufnahme von Asylbewerbern und Geduldeten ergeben.

Die Studie stützt sich auf eine Befragung von 123 Flüchtlingen aus 13 Herkunftsländern, die zwischen Mai 2013 und Dezember 2015 nach Deutschland eingereist sind. Befragt wurden Personen ab 18 Jahren. Die Befragung fand im Zeitraum vom Dezember 2015 bis März 2016 statt. Aufgrund der Fallzahlen können aus der Befragung allerdings keine verallgemeinerbaren Aussagen für alle in Deutschland lebenden Flüchtlinge abgeleitet werden. Erst eine derzeit laufende Befragung von mehr als 2000 Geflüchteten wird im statistischen Sinne repräsentative Ergebnisse liefern.

Die Studie ist im Internet abrufbar unter http://doku.iab.de/kurzber/2016/kb1516.pdf.

 

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