Inhaltsbereich: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung
Tagungsbericht "Arbeitsmärkte und Mobilität"
Am 9. und 10. November 2006 fand der in Kooperation mit dem Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) organisierte Workshop „Arbeitsmärkte und Mobilität“ in Halle (Saale) statt. Damit wurde die erfolgreiche Zusammenarbeit der beiden Institute aus den Jahren 2004 (Thema „Determinanten der Beschäftigung - die makroökonomische Sicht“) und 2005 (Thema "Arbeitsmarktinstitutionen und Beschäftigungsentwicklung") fortgesetzt. Die Referenten wurden durch einen Call for Papers gewonnen. Die eingereichten Beiträge sollen nach Durchlaufen des Referee-Prozesses in einem Themenheft der Zeitschrift Sozialer Fortschritt veröffentlicht werden.
Das bewusst breit gewählte Oberthema „Arbeitsmärkte und Mobilität“ führte zu einem breiten Kanon von Beiträgen zur räumlichen und beruflichen Mobilität sowie zur Einkommensmobilität. Diese Vielfalt spiegelte sich auch in der Interdisziplinarität des Workshops wider. Da die Beiträge von Anette Haas (IAB) und Irina Serikova (Universität Hamburg) leider krankheitsbedingt ausfallen mussten, konnte der enge Zeitplan etwas gelockert werden. Nach Vortrag und Korreferat blieb mehr Zeit für die Diskussion, die durch die unterschiedlichen theoretischen und methodischen Perspektiven von Soziologen und Ökonomen lebhaft geführt wurde und sich außerdem durch eine gleichermaßen starke Beteiligung von Experten aus Wissenschaft und Praxis auszeichnete.
Nach der Begrüßung der Tagungsteilnehmer durch Joachim Wilde vom IWH begann der Workshop mit dem Themenblock „Räumliche Mobilität“. Tanja Buch von der Universität Hamburg bezweifelte in Ihrem Beitrag, dass der deutsche Arbeitsmarkt an einer zu geringen räumlichen Mobilität kranke (Korreferat Ingmar Kumpmann vom IWH). Der regionale Mismatch sei nur für einen geringen Teil der Arbeitslosigkeit in Deutschland verantwortlich.
Bei der Arbeitsvermittlung spielt die Bereitschaft, für einen neuen Job einen langen Anfahrtsweg oder gar einen Umzug in Kauf zu nehmen, eine wichtige Rolle. Ariadne Sondermann und Olaf Behrend von der Universität Siegen stellten in diesem Zusammenhang Ergebnisse einer qualitativen Studie vor (Korreferat Silke Röbenack von der Universität Jena). Die Ergebnisse der Befragung verdeutlichten sowohl die Relevanz der räumlichen Mobilität für die Arbeitsmarktchancen aus Sicht der Vermittler als auch die persönlichen Kosten, die Arbeitslose durch einen Umzug oder durch tägliches Pendeln auf sich nehmen müssten.

Einen gänzlich anderes Licht auf das Thema "Räumliche Mobilität" warf das Referat von Barbara Schwengler (IAB). Sie beschäftigte sich mit dem Gebietszuschnitt der Arbeitsmarktregionen im Raum Berlin und Brandenburg (Korreferat Mathias Türck, Universität Kassel). Die Abgrenzung dieser Regionen ist deswegen von besonderer Bedeutung, da sie Grundlage für die Zuweisung von Regionalbeihilfen aus der Europäischen Union ist.
Thomas Rothe vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung verdeutlichte am zweiten Tag die Dynamik des Arbeitsmarktes anhand der Arbeitskräftegesamtrechnung (Korreferat Hans-Ulrich Brautzsch vom IWH). Hinter den häufig in der öffentlichen Diskussion stehenden, in der Regel wenig schwankenden Bestandszahlen des Arbeitsmarktes verbergen sich zahlreiche Übergänge zwischen Arbeitslosigkeit und Beschäftigung sowie zwischen verschiedenen Erwerbsformen. Trotz dieser Dynamik bleibt ein wesentlicher Teil der Arbeitslosen für längere Zeit vom Erwerbsleben ausgeschlossen, so dass hier weiterhin sozialpolitischer Handlungsbedarf besteht.
Anschließend beschäftigte sich Lutz Schneider vom IWH mit dem Zusammenhang zwischen Alter, Lohndifferentialen und betrieblicher Mobilität. Seine Analyse bestätigte die Vermutung, dass sich das Alter ebenso negativ auf die Mobilitätsneigung auswirkt wie die Dauer der Betriebszugehörigkeit.
Dem in der aktuellen Diskussion um Hartz IV immer breiteren Raum einnehmenden Thema der Dynamik von Einkommen und Armut widmete sich Jan Goebel vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (Korreferat Christoph Birkel von der Universität Halle).
Nachdem Ulrich Walwei (IAB) ein kurzes Resümee aus Sicht der Veranstalter gezogen hatte, warf Burkart Lutz vom Zentrum für Sozialforschung in Halle ein abschließendes Schlaglicht auf die Ergebnisse des Workshops. Er betonte die Bedeutung dieses vielfältigen und aufstrebenden Forschungsgebiets und regte an, sich zukünftig noch stärker als bisher auf einen Disziplinen übergreifenden Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis einzulassen.
Wir würden uns freuen, wenn der gemeinsame Workshop von Institut für Wirtschaftsforschung Halle und Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung einen Anstoß hierzu gegeben hat. Wir bedanken uns bei den Referenten und Korreferenten für die hochwertigen Beiträge, bei den Teilnehmern des Workshops für die lebhafte Diskussion sowie beim Institut für Wirtschaftsforschung Halle für die reibungslose Organisation und Durchführung der Tagung vor Ort!
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