Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung

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Ausschreibung zur Entwicklung eines Fragebogen-Moduls für die 6. Erhebungswelle des Panels "Arbeitsmarkt und soziale Sicherung"

Hintergrund

Das Panel ‚Arbeitsmarkt und soziale Sicherung’ (PASS) ist eine vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) seit 2006 jährlich durchgeführte Panelstudie, die der Beantwortung vielfältiger Fragestellungen der Arbeitsmarkt-, Sozialstaats- und Armutsforschung in Deutschland dient. Die Studie ist im Rahmen der SGB-II-Forschung am IAB angesiedelt, um die Wirkungen von Eingliederungsleistungen sowie von Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts des SGB II untersuchen zu können. Zudem erlaubt das PASS die Beantwortung von weit über diesen Rahmen hinausgehenden Fragen. Die Studie umfasst zwei Teilstichproben zu je 6.000 Haushalten. Für die erste wurden Bedarfsgemeinschaften aus Prozessdaten der BA gezogen. Bei der zweiten handelt es sich um eine Bevölkerungsstichprobe mit überproportionaler Berücksichtigung einkommensschwächerer Haushalte.

Das PASS wurde als Haushaltsbefragung konzipiert, wobei in jedem Haushalt alle Personen ab 15 Jahren befragt werden. Die Datenerhebung erfolgt mehrsprachig mit telefonischen bzw. persönlichen Interviews (CATI oder CAPI). Zum Themenspektrum zählen u.a. die materielle und soziale Lage der Haushalte und Individuen, Informationen zum Bezug von SGB-II-Leistungen sowie subjektive Einstellungen. Die Studie beinhaltet prospektiv erhobene Paneldaten, ergänzt durch retrospektiv erhobene Erwerbs- und Leistungsbezugsverläufe.

Als Scientific-Use-Files stehen Datennutzern ab diesem Herbst Informationen aus drei Panel-Wellen zur Verfügung, die in den Jahren 2006/07, 2007/08 und 2008/09 erhoben wurden. Die vierte Erhebungswelle wurde soeben abgeschlossen. In Planung sind mindestens zwei weitere Erhebungswellen, die bis 2012 vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) finanziert werden. Eine Übersicht über das Studiendesign sowie die einzelnen Fragebogenmodule (siehe Modulübersicht) bieten die Arbeitshilfen zur Studie, die unter folgendem Link im Internet zu finden sind:

Website des Forschungsdatenzentrums (FDZ)

Call for Questionnaire Modules

Das IAB lädt interessierte Wissenschaftler zur Entwicklung eines neuen Fragemoduls ein, das in das Erhebungsprogramm der sechsten Welle (Feldzeit: Jan.-Sept. 2012) des PASS integriert werden soll. Willkommen sind vor allem Vorschläge mit engem Bezug zur SGB-II-Forschung, insbesondere zu folgenden Themen, die unter 'Schwerpunktthemen' ausführlicher erläutert sind:

  • Qualität von Arbeitsbedingungen
  • Qualität von Stellenangeboten
  • Gesellschaftliche Teilhabe und Verwirklichungschancen von SGB-II-Leistungsbeziehern

Das Modul soll für eine Befragungsdauer von maximal fünf Minuten konzipiert sein und muss inhaltlich und methodisch einen engen Bezug zum Konzept der PASS-Studie aufweisen. Eingereicht werden können sowohl für einen einmaligen Einsatz entwickelte Module als auch solche, die in mehreren (maximal drei) Wellen eingesetzt werden sollen.

Bei dem zweistufigen Auswahlverfahren (siehe unter Anforderungen) können Bewerber auf der ersten Stufe ein Forschungsvorhaben einreichen. Bewerber, die die erste Stufe passieren, werden aufgefordert, ein Modul zu entwickeln und zu testen. Nach Begutachtung der eingereichten Instrumente und Testergebnisse fällt die endgültige Entscheidung.

Anforderungen an Bewerbungen

Stufe 1: Einreichen eines Forschungsvorhabens

Die Bewerber sind aufgefordert, in ihrer Bewerbung (ca. 3 DIN A 4-Seiten) den theoretischen Hintergrund ihres Forschungsvorhabens und den Forschungsbedarf zu erörtern, den inhaltlichen und methodischen Bezug zu PASS herzuleiten sowie ihre fachliche Expertise darzulegen. Erwartet werden erste Hinweise zu Operationalisierungen. Zudem sollen die Bewerber darstellen, wie sie die Instrumente testen werden. Bei der Verwendung von Skalen, deren Eigenschaften bereits publiziert sind, kann auf einen gesonderten Test verzichtet werden, sofern die Bewerber überzeugend darlegen können, dass in der speziellen Population des PASS keine Anwendungsschwierigkeiten zu erwarten sind.

Stufe 2: Entwicklung und Test von Fragemodulen

Bewerber, deren Forschungsvorhaben auf der ersten Stufe akzeptiert wurde, sollen ein Modul entwickeln, die entwickelten Instrumente testen, sowie die Testergebnisse schriftlich zusammenfassen. Für Pretests in der Population der ALG-II-Empfänger im 2. Quartal 2011 (siehe. Zeitplan) hält das IAB Kapazitäten vor. Die abschließende Akzeptanz einer Bewerbung hängt von der Begutachtung der eingereichten Instrumente und den Ergebnissen des Pretests ab. Die Entscheidung fällt ein Gremium aus Vertretern der SGB-II-Forschungsbereiche und der Stabsstelle Forschungskoordination des IAB.

Schwerpunktthemen

Modulvorschläge zu den oben genannten Schwerpunktthemen sollten insbesondere folgende Aspekte berücksichtigen:

  • Qualität von Arbeitsbedingungen

Das Thema der „Qualität von Erwerbsarbeit“ steht in der arbeitswissenschaftlichen Forschung seit geraumer Zeit im Mittelpunkt, insbesondere mit Blick auf die betriebliche Gestaltung von „guter“ bzw. „menschengerechter“ Arbeit. Ein Kernbefund dieser Forschung lautet, dass die Arbeits- und Einkommensbedingungen in ihrer Gesamtheit maßgeblich die Lebensqualität (z.B. Gesundheit, Wohlbefinden, Erwerbsfähigkeit) der Erwerbstätigen selbst wie auch die ihrer Partner und Partnerinnen und Kinder prägen. Dabei sind förderliche wie auch belastende Arbeitsbedingungen in zahlreichen, hoch- wie auch gering qualifizierten Tätigkeiten verbreitet. Auch die in den Sozialwissenschaften geführte Debatte um die vermeintliche Zunahme „prekärer“ Arbeit belegt ein anhaltend hohes wissenschaftliches Interesse an diesem Themenspektrum. Hier werden oft einzelne Dimensionen (z.B. Leiharbeit, Befristung, geringfügige Beschäftigung) untersucht und – je nach Blickwinkel – als positive oder negative Entwicklung interpretiert. Die subjektive Bewertung dieser Arbeitsverhältnisse durch die Inhaber entsprechender Stellen ist hingegen noch wenig erforscht.

Ein  Fragebogenmodul, das es ermöglicht, qualitative Aspekte der Integration in das Erwerbsleben umfassend zu beschreiben und deren Einfluss auf das individuelle Arbeitsmarktverhalten (z.B. Tätigkeitswechsel, Übergang in Arbeitslosigkeit, Rückzug aus dem Erwerbsleben) wie auch auf die eigene Lebensqualität und die der assoziierten Haushaltsmitglieder zu untersuchen, würde das Analysepotenzial von PASS erheblich erweitern.

Neue Fragebogenmodule sollten die bereits erhobenen Merkmale von Beschäftigungsverhältnissen (Lohn, Arbeitszeitumfang, Befristung, Leiharbeit) deshalb vor allem um Aspekte der wahrgenommenen Belastungen (z.B. Arbeitsintensität, körperliche / psychische Anforderungen, Flexibilitätserfordernisse) und um subjektive Bewertungen (z.B. Anerkennung und soziale Einbindung im betrieblichen Kontext, Unter- oder Überforderung, Beschäftigungssicherheit etc.) ergänzen.

  • Qualität von Stellenangeboten

Arbeitsuchende, ob arbeitslos oder schon beschäftigt, bewerben sich auf eine mehr oder weniger begrenzte Auswahl von offenen Stellen. Über die Qualität der verschiedenen Stellen (z.B. bezüglich Arbeitszeit, Befristung, Entlohnung und Aufstiegsmöglichkeiten, Erreichbarkeit des Arbeitsplatzes vom Wohnort), auf die sich Arbeitsuchende bewerben oder für die sie eine Zusage von einem Arbeitgeber erhalten und das Stellenangebot gegebenenfalls ablehnen, ist wenig bekannt.

Die qualitative Zusammensetzung der Stellenangebote, auf die sich Arbeitslose und vergleichbare beschäftigte Arbeitsuchende bewerben, könnte sich deutlich unterscheiden. Für arbeitslose Leistungsbezieher – insbesondere im Arbeitslosengeld II-Bezug – gelten strenge Zumutbarkeitskriterien. Ihnen könnten von den zuständigen Arbeitsvermittlern / Fallmanagern Stellenangebote / Vermittlungsvorschläge unterbreitet werden, die ihre Ausbildung, Kompetenzen, Berufserfahrung und Weiterentwicklungsmöglichkeiten zum Teil unterfordern. Dabei sind regional unterschiedliche Praktiken denkbar, abhängig von regional unterschiedlichen Wirtschaftsstrukturen, der regionalen Arbeitsmarktlage oder Strategien der Arbeitsagenturen / Jobcenter. Das Fragebogenmodul könnte sich generell mit qualitativen Aspekten der Zusammensetzung der Stellenangebote auseinandersetzen. Im Fokus könnte aber auch die Qualität der Vermittlungsvorschläge der Arbeitsagenturen / Jobcenter oder in die Vermittlung eingeschalteter Dritter stehen, die Arbeitsuchenden unterbreitet werden. Dadurch kann analysiert werden, wie gut diese Vermittlungsvorschläge zum Profil der Arbeitsuchenden passen, so dass die Wirkungen der Vermittlungstätigkeit auf die Qualität der aufgenommen Arbeitsverhältnisse untersucht werden kann.

  • Gesellschaftliche Teilhabe und Verwirklichungschancen von SGB-II-Leistungsbeziehern

Arbeitslosigkeit und verminderte Erwerbschancen gelten als Risikofaktor im Hinblick auf eine vollwertige soziale Teilhabe in unterschiedlichen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens. Dauerhaft verminderte individuelle Teilhabe und Partizipation können sich zudem langfristig negativ auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt auswirken. Modulvorschläge sollten beispielsweise auf eine Operationalisierung unterschiedlicher Dimensionen sozialer und politischer Teilhabe abzielen, die es erlauben, Zusammenhänge zwischen verschiedenen Bereichen sozialer Exklusion zu analysieren. Mit Blick auf die aktuelle Debatte um die Teilhabechancen von Kindern in Haushalten mit SGB-II-Leistungsbezug sind insbesondere auch Vorschläge willkommen, die einen Bezug zu den geplanten Reformen der ALG-II-Regelsätze und der Einführung von Bildungsgutscheinen für Kinder aufweisen.

Zeitplan

Termin  
23. Dezember 2010: Deadline für das Einreichen von Bewerbungen (1. Stufe)
16. Januar 2011: Auswahl der Bewerbungen für die 2. Stufe
28. März 2011: Deadline für das Einreichen von Modulen (2.Stufe)
April/Mai 2011: Pretest der entwickelten Instrumente (2.Stufe)
14. Juni 2011:   Deadline für das Einreichen der Testergebnisse
24. Juni 2011: Endgültige Auswahl des eingesetzten Moduls
Juli 2010-Jan. 2011: Einarbeitung des Moduls in den Fragebogen
Jan.-Sept. 2012: Feldphase
Ab April 2013:  Daten verfügbar


Modulübersicht

Die Tabelle gibt einen Überblick über in den Wellen 1-4 eingesetzte und für Welle 5 geplante Fragemodule.

 

 

 

 

 

Infobereich.

Weitere Informationen

Call for Questionnaire Modules (6. Welle)

Kontakt

Bewerbungen sind bis 23.12.2010 an das E-Mail-Postfach  IAB.HHP@iab.de des Forschungsbereichs E3 Panel „Arbeitsmarkt und soziale Sicherung“ am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zu richten.

Ansprechpartner für Rückfragen

Dr. Stefanie Gundert
Telefon: 0911-179 5672
E-Mail: Stefanie.Gundert@iab.de

Johannes Eggs
Telefon: 0911-179 6601
E-Mail: Johannes.Eggs@iab.de

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