Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung

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Inhaltsbereich: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung

Presseinformation des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) vom 25.11.2008

Der Arbeitsmarkt ist für den Abschwung besser gerüstet als früher

Franz Müntefering und die IAB-Direktoren Joachim Möller und Ulrich Walwei stellten in Berlin das IAB Handbuch Arbeitsmarkt 2009 vor

Der deutsche Arbeitsmarkt hat sich in den Jahren 2006 bis 2008 deutlich erholt. Die Arbeitslosigkeit ist von mehr als fünf Millionen im Januar 2005 auf weniger als drei Millionen im Oktober 2008 gesunken. Doch handelt es sich bei dieser positiven Entwicklung um eine Trendwende oder nur um ein konjunkturelles Strohfeuer? Wird der Arbeitsmarkt den kommenden Abschwung besser verkraften als früher? Eine Bestandsaufnahme und einen Ausblick auf die zukünftigen Entwicklungen bietet das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) mit dem Handbuch Arbeitsmarkt 2009, das am Dienstag in Berlin vom ehemaligen Bundesarbeitsminister Franz Müntefering, dem IAB-Direktor Joachim Möller und dem IAB-Vizedirektor Ulrich Walwei vorgestellt wurde.

Wie wird sich der Arbeitsmarkt im Jahr 2009, wie in den nächsten Jahrzehnten entwickeln? Was weiß man über die Wirkungen der arbeitsmarktpolitischen Instrumente wie Weiterbildungsmaßnahmen und Eingliederungszuschüsse? Wie sehen die Betroffenen die Hartz-IV-Reform? Mehr als 50 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) analysieren im IAB Handbuch Arbeitsmarkt 2009 auf 516 Seiten den Arbeitsmarkt in seiner ganzen Breite.

Franz Müntefering, Bundesarbeitsminister und Vizekanzler von 2005 bis 2007, betonte bei der Präsentation des Handbuchs:

„Das Buch erforscht aus wissenschaftlicher Sicht die Entwicklung des Arbeitsmarktes sowie die Wirkung der Arbeitsmarktreformen von 2005 bis 2007 und zeigt gleichzeitig mutig nach vorne.“ Die dargestellte demografischen Entwicklung zeige, dass Bildung und Weiterbildung zentrale Themen bleiben und ausgebaut werden müssten: „Bis zur Jahrhundertmitte wird die Zahl der Jüngeren stark zurückgehen. Darauf müssen wir vorbereitet sein und jetzt in Bildung – vom Vorschulalter bis zur beruflichen Weiterbildung – investieren.“ So sei bereits die Erwerbsquote der älteren Arbeitnehmer in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Gleichzeitig müsse bereits bei Kindern im Vorschulalter die Sprachkompetenz gefördert werden: „Wer schon in der Schule die deutsche Sprache nicht beherrscht, wird es dauerhaft auf dem Arbeitsmarkt sehr schwer haben.“

Der IAB-Direktor Joachim Möller ist überzeugt, dass der Arbeitsmarkt für den Abschwung besser gerüstet sei als früher. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit auf weniger als drei Millionen im Oktober 2008 sei keinesfalls nur ein Konjunktureffekt, sondern auch ein Reformerfolg:

„Die positive Arbeitsmarktentwicklung von 2006 bis 2008 war maßgeblich von der guten Konjunktur bestimmt. Aber auch die Arbeitsmarktreformen haben zum Rückgang der Arbeitslosigkeit beigetragen. Die strukturelle Arbeitslosigkeit ist gesunken. Die Betriebe berichteten, dass sie mehr Initiativbewerbungen erhalten haben und unattraktive Stellen leichter besetzen konnten. Die Bewerber waren zu mehr Kompromissen hinsichtlich Lohn und Arbeitsbedingungen bereit. Die Arbeitsmarktreformen haben der Verhärtung der Langzeitarbeitslosigkeit entgegengewirkt. Es besteht die berechtigte Hoffnung, dass der kommende Abschwung besser vom Arbeitsmarkt verkraftet wird als dies in der Vergangenheit der Fall war. Hinzu kommt, dass aufgrund des demographischen Wandels schon heute dem Arbeitsmarkt weniger Menschen zur Verfügung stehen. Es kommen mehr ältere Personen ins Rentenalter als junge Arbeitskräfte nachrücken. Kurzfristig hilft das, den Anstieg der Arbeitslosigkeit zu verringern. Auf längere Sicht wird diese Entwicklung andere Probleme hervorrufen.“

IAB-Vizedirektor Ulrich Walwei erläuterte die langfristig dramatischen Folgen des demographischen Wandels für den Arbeitsmarkt:

„In Deutschland lebten zum Jahresende 2005 knapp 700.000 Kinder im Babyalter von bis zu einem Jahr, dagegen 1,4 Millionen 43-Jährige. Das ist ein Verhältnis von eins zu zwei. Wenn man von Zuwanderung absieht, wird sich in 43 Jahren, also zur Jahrhundertmitte, die Zahl der dann 43-Jährigen halbiert haben. Selbst wenn wir alle 2005 geborenen Menschen optimal ausbilden, können wir nicht die aus dem Arbeitsmarkt ausscheidenden qualifizierten Arbeitnehmer ersetzen. Denn mehr als 80 Prozent der 1963 Geborenen verfügen über ein Studium oder einen Berufsabschluss. Die Konsequenzen liegen klar auf der Hand: Wir müssen sofort unsere Bildungsanstrengungen massiv erhöhen. Ansonsten droht ein gravierender Fachkräftemangel, kombiniert mit einer immer noch hohen Arbeitslosigkeit bei den Geringqualifizierten. Die Zahlen zeigen aber auch, dass wir zusätzliche Personalreserven erschließen müssen. Dazu gehören eine weitere Steigerung der Erwerbsbeteiligung von Frauen und Älteren sowie die Zuwanderung von qualifizierten Ausländern.“

Das IAB Handbuch Arbeitsmarkt 2009 kostet 49,90 Euro und ist im Buchhandel oder direkt beim Bielefelder W. Bertelsmann Verlag erhältlich (Telefon 0180-100-2707, ISBN 978-3-7639-4001-1).

 

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