Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung

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Presseinformation des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung vom 19.03.2009

Lohnungleichheit zwischen Frauen und Männern in Deutschland seit 15 Jahren kaum geringer geworden

Bei gleicher Ausbildung, gleichem Alter, gleichem Beruf und im gleichen Betrieb verdienen Frauen 12 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Die Lohnungleichheit zwischen Frauen und Männern hat sich gegenüber dem Stand vor 15 Jahren kaum verändert, zeigt eine Studie, die das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) gemeinsam mit der Universität Konstanz durchgeführt hat. Die Analyse legt offen: Unterm Strich beruht die geringere Entlohnung von Frauen weniger auf finanzieller Ungleichbehandlung im Einzelfall, sondern vor allem auf gesellschaftlichen Strukturen, die Frauen seltener als Männer in gut bezahlte Jobs gelangen lassen.

Im Durchschnitt war der Lohn von vollzeitbeschäftigten Frauen in den alten Bundesländern im Jahr 2006 rund 24 Prozent geringer als der Lohn von Männern. Die unterschiedliche Berufswahl von Frauen und Männern spielt dabei eine Rolle – aber eine geringere, als häufig angenommen wird. Aus der Studie geht hervor, dass selbst innerhalb des gleichen Berufs Frauen rund 21 Prozent weniger als Männer verdienen. Wenn Personen mit gleicher Ausbildung, gleichem Beruf und gleichem Alter im gleichen Betrieb verglichen werden, beträgt der Lohnunterschied laut IAB-Berechnungen immer noch 12 Prozent.

Überstunden, Hierarchien und Erwerbsunterbrechungen sind auch zu berücksichtigen

Der festgestellte Lohnunterschied von 12 Prozent lässt sich zum Teil auf statistisch nicht erfasste Faktoren zurückführen. Beispielsweise konnten in der Studie nur Tagesverdienste verglichen werden. Männer machen jedoch in einem höheren Ausmaß als Frauen Überstunden, so dass die längere tatsächliche Arbeitszeit einen Teil des Lohnunterschieds erklärt. Ein weiterer Faktor sind Hierarchien innerhalb der Berufe. Männer werden häufiger Gruppen- oder Teamleiter und in der Folge dann besser bezahlt. Vor allem aber wirken sich die längeren Erwerbsunterbrechungen und Phasen der Teilzeitbeschäftigung bei Frauen auf den Verdienst aus – meistens wegen der Erziehung von Kindern. „Um die Lohnunterschiede wirkungsvoll abzubauen, müssten sich die Erwerbsunterbrechungen gleichmäßiger auf Frauen und Männer verteilen. Beispielsweise könnte der gesetzliche Anspruch auf Erziehungsurlaub zwischen der Mutter und dem Vater aufgeteilt werden“, schlägt der IAB-Forscher Hermann Gartner vor.

Lohnunterschiede in Deutschland besonders verfestigt

“Die Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen sind in Deutschland stärker verfestigt als in anderen Ländern“, stellt Gartner fest. So konnten alle Länder der Europäischen Union, in denen nach der EU-Statistik 1995 die Lohnunterschiede überdurchschnittlich hoch waren, die Lohnungleichheit bis 2005 verringern – mit einer Ausnahme: In Deutschland haben die Unterschiede in den 1990er Jahren zwar abgenommen, sind jedoch seit der Jahrtausendwende wieder angestiegen. Gartner führt diese Entwicklung vor allem auf das Wachsen des Niedriglohnsektors und die generelle Zunahme der Lohnungleichheit zurück. Da Frauen überdurchschnittlich häufig zu Niedriglöhnen arbeiten, wirkt sich das immer stärkere Auseinanderklaffen der Einkommensschere bei ihnen besonders stark aus.

Eine Grafik zu den Lohnunterschieden steht unter http://doku.iab.de/grauepap/2009/ep.pdf zum Download bereit.

 

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