Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung

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Presseinformation des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung vom 15.01.2009

In Deutschland zählen fünf Prozent der Vollzeit-Erwerbstätigen zu den „Working Poor“

In den Jahren 1999 bis 2005 verdoppelte sich der Anteil der Armutsgefährdeten unter den Vollzeit-Erwerbstätigen von drei auf sechs Prozent. Das zeigt eine am Donnerstag veröffentlichte Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Im Jahr 2006 sank die Quote zwar wieder um einen Prozentpunkt auf fünf Prozent. Durch die Folgen der Finanzkrise sei dieser Rückgang aber wieder gefährdet, befürchten die Nürnberger Arbeitsmarktforscher.

Von einer Annäherung an amerikanische Verhältnisse könne aber nur bedingt gesprochen werden, so die IAB-Studie, „eher von einem in beiden Ländern gemeinsamen Trend zum allmählichen Anstieg der Erwerbsarmut“. In den USA lag der Anteil der von Armut Gefährdeten unter den Vollzeit-Erwerbstätigen im gesamten Zeitraum über zehn Prozent. Als armutsgefährdet gilt, wer über weniger als 60 Prozent des mittleren Nettoeinkommens verfügt. In Deutschland lag die Schwelle im Jahr 2006 für einen Alleinstehenden bei 837 Euro, für ein Paar mit zwei Kindern unter 14 Jahren bei 1758 Euro Netto-Haushaltseinkommen.

Niedriglohnsektor wächst in Deutschland seit Mitte der 90er Jahre

Der Niedriglohnsektor ist in Deutschland seit Mitte der 90er Jahre deutlich gewachsen. Während 1994 erst 16 Prozent der Vollzeit-Beschäftigten weniger als zwei Drittel des mittleren Bruttoeinkommens verdienten, ist der Anteil bis 2004 auf 22 Prozent gestiegen und damit nur noch drei Prozentpunkte niedriger als in den USA. In den USA befand sich im Jahr 2004 allerdings mehr als jeder Dritte Geringverdiener unter der Armutsgrenze, in Deutschland nur jeder Fünfte. Durch staatliche Umverteilung – also durch die Sozialleistungen sowie das Steuer- und Abgabensystem – seien Geringverdiener in Deutschland deutlich besser vor Armut geschützt als in den USA, betont das IAB.

Sinkende Tarifbindung, Globalisierung und Strukturwandel als Ursachen

Das IAB sieht drei zentrale Ursachen für die Zunahme der Niedrigeinkommen: Zum einen sinkt die Tarifbindung in Deutschland. Nur noch etwas mehr als die Hälfte der Beschäftigten wird von Flächentarifverträgen erfasst, Mitte der 90er Jahre waren es noch rund zwei Drittel. Zweitens verschlechtert sich im Zuge der Globalisierung die Wettbewerbssituation von Geringqualifizierten in den Industrieländern. Drittens wachsen durch den Strukturwandel zur Dienstleistungsgesellschaft die Beschäftigungsanteile in den Branchen, in denen häufig Niedriglöhne gezahlt werden, beispielsweise im Handel.

Die IAB-Studie steht im Internet unter http://doku.iab.de/kurzber/2009/kb0109.pdf zum kostenlosen Download bereit.

 

 

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