Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung

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Presseinformation des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung vom 9.9.2014

Löhne in Deutschland sind im Osten stärker gewachsen als im Westen

Die Löhne in Deutschland haben sich in den letzten 20 Jahren regional unterschiedlich entwickelt, berichtet das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) anhand einer Analyse der Nominallöhne von Vollzeitbeschäftigten. Die Löhne im Osten sind um 43,9 Prozent, die im Westen um 36,4 Prozent gestiegen. „Obwohl die Nominallöhne in Ostdeutschland seit 1993 stärker gewachsen sind als in Westdeutschland, geht die Angleichung nur sehr langsam voran“, schreiben die IAB-Arbeitsmarktforscherinnen Michaela Fuchs, Cerstin Rauscher und Antje Weyh. In beiden Landesteilen existiert zusätzlich ein Süd-Nord-Gefälle bei den Löhnen, das die stärkere Wirtschaftskraft der südlichen Regionen widerspiegelt.

Auf der Kreisebene gab es den größten Nominallohnzuwachs in Ingolstadt mit 72,1 Prozent, gefolgt von Jena mit 64,9 Prozent und Erlangen-Höchstadt mit 64,3 Prozent. Dagegen stieg der Nominallohn am schwächsten in Helmstedt mit 18,5 Prozent.

In Ostdeutschland lag im Jahr 2012 das mittlere Brutto-Monatsentgelt bei 2139 Euro, in Westdeutschland bei 2916 Euro. Dennoch verdienten die Menschen in den großen ostdeutschen Städten im Mittel mehr als in manchen Landkreisen Westdeutschlands. Das Stadt-Land-Muster mit höheren Entgelten in Städten ist in ganz Deutschland zu beobachten. „Vor dem Hintergrund, dass die Mieten einen großen Ausgabenposten der Haushalte darstellen, dürften die Reallohnunterschiede zwischen den Regionen aber eher geringer ausfallen als die Nominallohnunterschiede“, merken die IAB-Arbeitsmarktforscherinnen an.

Der mittlere Brutto-Monatsverdienst für sozialversicherungspflichtige Vollzeitbeschäftigte reichte im Jahr 2012 von 1776 Euro im Landkreis Vorpommern-Rügen bis zu 4119 Euro im Kreis Wolfsburg. Im bundesdeutschen Mittel lag der Lohn bei 2782 Euro pro Monat. Bei den Berechnungen wurde der Medianlohn zugrunde gelegt, der das Lohnspektrum in zwei Hälften teilt – 50 Prozent der Beschäftigten verdienen mehr, die anderen 50 Prozent weniger als den Medianlohn.

Die regionalen Lohnunterschiede werden nicht zuletzt durch die Wirtschaftsstruktur beeinflusst. In Regionen mit hochproduktiven Wachstumsbranchen wie Fahrzeugbau, Chemie oder anderen forschungs- und wissensintensiven Bereichen werden besonders hohe Löhne gezahlt. Zudem zahlen große Unternehmen den Beschäftigten in der Regel höhere Löhne als kleine. Großunternehmen sind dabei vor allem in den westdeutschen Ballungsgebieten angesiedelt. Auch das Ausmaß der Arbeitslosigkeit und die geringere Tarifbindung tragen dazu bei, dass die Löhne in ostdeutschen Regionen tendenziell niedriger ausfallen als im Westen.

Die IAB-Studie ist im Internet abrufbar unter http://doku.iab.de/kurzber/2014/kb1714.pdf. 


Zum Begriff: Nominallöhne versus Reallöhne

In der IAB-Studie werden Nominallöhne betrachtet. Sie zeigen die Höhe des Entgelts für die geleistete Arbeit an. Nicht angezeigt wird hingegen die Kaufkraft des Entgelts. Dazu müssten Reallöhne betrachtet werden, in die die Entwicklung des Preisniveaus mit einbezogen wird. Für Deutschland insgesamt kann hierfür der Verbraucherpreisindex herangezogen werden. Eine Betrachtung der Reallohnentwicklung in den einzelnen Kreisen ist dagegen nicht möglich, da kaum Informationen zu regionalen Preisunterschieden und vor allem nicht zu deren Entwicklung vorhanden sind.

 

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