Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung

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Presseinformation des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung vom 13.9.2016

Zeitarbeit kann gerade für Ausländer ein Sprungbrett in eine andere Beschäftigung sein

Der Sprungbretteffekt der Zeitarbeit in eine andere Beschäftigung ist bei Ausländern überdurchschnittlich ausgeprägt. Am stärksten ist der Effekt bei Leiharbeitnehmern türkischer Herkunft. Das zeigt eine aktuelle Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

In der IAB-Studie vergleicht die Arbeitsmarktforscherin Elke Jahn Arbeitslose, die eine Beschäftigung in der Zeitarbeit gefunden haben, mit Arbeitslosen, die keine Beschäftigung in der Zeitarbeit aufgenommen haben. Während der Beschäftigung in der Zeitarbeit ist die Wahrscheinlichkeit, eine Beschäftigung außerhalb der Zeitarbeit zu finden, geringer als bei der Vergleichsgruppe der Arbeitslosen, die keine Tätigkeit in der Zeitarbeit aufgenommen haben. Im Zeitraum nach der Beschäftigung in der Zeitarbeit zeigt sich dagegen: Bei deutschen Arbeitslosen steigt die Wahrscheinlichkeit, aufgrund einer Tätigkeit in der Zeitarbeit später eine Tätigkeit außerhalb der Zeitarbeit zu finden, um 15 Prozent. Bei arbeitslosen Ausländern steigt die Wahrscheinlichkeit im Durchschnitt um 17 Prozent, bei türkischen Arbeitslosen um 18 Prozent.

Für Arbeitslose aus den Westbalkanländern ist die Zeitarbeit in der Regel jedoch kein Sprungbrett in anderweitige Beschäftigung. Die IAB-Forscherin Jahn nennt zwei mögliche Faktoren, die hier eine Rolle spielen können: „Erstens könnte es sein, dass der Aufenthaltsstatus vieler Flüchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien und für Einwanderer aus dem Kosovo ungeklärt ist oder sie in den letzten Jahren wieder in ihr Heimatland zurückgekehrt sind. Zweitens ist es möglich, dass diese Personengruppen in Erwartung einer Heimkehr gar nicht nach einer anderweitigen Beschäftigung Ausschau gehalten haben.“

Die Zahl der Leiharbeitnehmer hat sich in Deutschland in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt. Im Juni 2005 waren etwa 453.000 Personen im Zeitarbeitssektor beschäftigt. Die Leiharbeitsquote lag damals bei 1,4 Prozent. Im Juni 2015 waren etwa 961.000 Personen oder 2,7 Prozent aller Beschäftigten in der Branche tätig. Im Jahr 2015 wuchs die Zeitarbeit um rund fünf Prozent.

Auch der Anteil der Ausländer in der Zeitarbeitsbranche ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen. 2015 lag er bei 25 Prozent. Der Ausländeranteil an allen Beschäftigten betrug dagegen zehn Prozent.

Die mittlere Dauer einer Beschäftigung in der Zeitarbeitsbranche liegt bei rund drei Monaten. Dies gilt für Deutsche wie für Ausländer, für vormals Arbeitslose wie für andere Leiharbeitnehmer.

Etwa 70 Prozent der Leiharbeitnehmer waren vorher nicht beschäftigt. Der überwiegende Teil davon war zuvor arbeitslos, andere haben beispielsweise als Berufseinsteiger ein Leiharbeitsverhältnis aufgenommen. Deutsche, die aus Arbeitslosigkeit einen Zeitarbeitsjob aufnehmen, waren im Mittel vorher drei Monate arbeitslos, Ausländer hingegen 3,6 Monate.

Die Studie ist im Internet abrufbar unter http://doku.iab.de/kurzber/2016/kb1916.pdf.

 

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