Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung

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„Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf soll eine Selbstverständlichkeit werden“

Mit dem Audit „berufundfamilie“ baut das IAB seine familienbewusste Personalpolitik weiter aus

 

Zertifikat zum Audit "berufundfamilie" 

Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen – das bedeutet für Eltern, und insbesondere für Mütter, oft den täglichen Spagat zwischen Kochtopf und Konferenz, zwischen Babyflasche und Aktentasche. Auch wer einen Angehörigen pflegt, hat es nicht einfach, gleichzeitig beruflich am Ball zu bleiben. Immer mehr Unternehmen und Institutionen haben sich mittlerweile mit der Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Familie intensiv auseinandergesetzt und bieten ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Unterstützung an – so auch das IAB.

Im IAB gibt es bereits ein breites Spektrum an familienfreundlichen Arbeitsbedingungen. Dazu zählen flexible Arbeitszeiten ohne Kernarbeitszeit, individuelle Arbeitszeitmodelle, Telearbeit, ein Kontingent an Kindergartenplätzen in einem Kindergarten und ein Eltern-Kind-Zimmer. Nun hat sich das Forschungsinstitut entschlossen, seine familienbewusste Personalpolitik noch weiter auszubauen und sich dafür dem so genannten „Familien-TÜV“ gestellt: Ebenso wie vier weitere Dienststellen der Bundesagentur für Arbeit nahm das IAB erfolgreich an dem Zertifizierungsverfahren für das Audit „berufundfamilie“ teil. Im Februar 2009 erhielt das IAB das Grundzertifikat, die offizielle Verleihung fand in Berlin statt. 

Die Auditierung erfolgte auf Initiative des Personalbereichs in Zusammenarbeit mit der Gleichstellungsbeauftragten am IAB, Dana Müller. „Wir sind ein junges Institut mit vielen potenziellen Familienvätern und -müttern, Eltern mit Kleinkindern wie auch mit Schulkindern“, sagt Dana Müller, die selber als wissenschaftliche Mitarbeiterin im IAB tätig ist. Beim Audit „berufundfamilie“ gehe es aber auch darum, Kolleginnen und Kollegen, die jetzt oder später einmal Angehörige pflegen, in den Blick zu nehmen. „Natürlich ist jede und jeder nach wie vor selber gefordert, wir nehmen nichts ab. Aber wir unterstützen, wo es möglich ist, und tragen dazu bei, dass man Familie und Beruf besser vereinbaren kann“, erklärt sie.

Eine aktiv betriebene familienbewusste und zugleich unternehmensgerechte Personalpolitik ist für Arbeitgeber wie Arbeitnehmer ein Gewinn: „Mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf tut man etwas, was allen weiterhilft“, betont Dana Müller und nennt als ein Beispiel eine bessere Arbeitsatmosphäre. Familienfreundliche Arbeitsbedingungen verbessern die Motivation und Zufriedenheit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, steigern die Leistungsbereitschaft und reduzieren Stressbelastung und Fehlzeiten. „Man kann auch in befristeten Arbeitsverhältnissen wagen, eine Familie zu gründen, weil man unterstützt wird“, sagt Dana Müller. Nicht zuletzt bietet das Audit Vorteile im Wettbewerb um die besten Köpfe: „Es ist ein Personalentwicklungsinstrument, um Fachkräfte zu halten und qualifizierten Nachwuchs zu gewinnen“, erläutert sie und stellt klar: „Vereinbarkeit von Familie und Beruf soll eine Selbstverständlichkeit werden. Das ist für mich kein Diskussionsthema, sondern es geht ums Machen!“

„Ums Machen“ geht es beim Audit „berufundfamilie“ ganz massiv. Das standardisierte Zertifizierungsverfahren erfolgt nach den Richtlinien der berufundfamilie gGmbH, einer Initiative der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung. Begleitet von einer externen Auditorin wurde der Status quo der im IAB bereits vorhandenen Angebote zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf erfasst. In einem Strategie- und in einem Auditierungsworkshop wurden zudem anhand von acht Handlungsfeldern (Arbeitszeit, Arbeitsorganisation, Arbeitsort, Informations- und Kommunikationspolitik, Führungskompetenz, Personalentwicklung, Entgeltbestandteile und geldwerte Leistungen, Service für Familien) Entwicklungspotenziale ermittelt und aufeinander abgestimmte konkrete Ziele und Maßnahmen entwickelt. Dabei ging es in der Projektgruppe darum, passgenaue Lösungen für das IAB zu finden, die sowohl die Wünsche und Bedürfnisse der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als auch die Möglichkeiten des Instituts berücksichtigen. „Man kann aus einem Portfolio wählen, was für einen selber geeignet ist“, sagt Dana Müller.

Die eigentliche Arbeit fange allerdings jetzt erst an. „Wir haben drei Jahre Zeit, um das umzusetzen, was wir uns vorgenommen haben“, erklärt sie. Die Projektgruppe, die einen repräsentativen Querschnitt aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des IAB darstellt, wird diesen Prozess weiter begleiten und intern begutachten. Zudem wird die praktische Umsetzung jährlich von der berufundfamilie gGmbH überprüft. Dann erfolgt eine Re-Auditierung. „Nach drei Jahren sieht man, was geleistet und was angenommen wurde: Können wir uns damit identifizieren, was sollen wir anders oder neu oder zusätzlich tun“, erläutert die Gleichstellungsbeauftragte. Die Re-Auditierung findet alle drei Jahre statt. „Das heißt, man wird immer wieder gefordert und muss am Ball bleiben. Es ist ein auf Dauer angelegtes Projekt und das ist gut so, weil dadurch die größte Wirkung erzielt wird.“

Eine der Herausforderungen für die Umsetzung des Audits ist für Dana Müller, jeden dabei mitzunehmen – die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ebenso wie die Führungskräfte. „Wir müssen alle dafür sensibilisieren: Es ist auch dein Thema, selbst wenn es dich im Moment noch nicht persönlich betrifft. Ich möchte, dass man das wirklich lebt und nicht als Hindernis sieht, sondern als Vorteil, um voranzukommen“, erklärt sie. „Wir müssen weg davon, dass man seine Arbeit an seinem Arbeitsplatz verrichten muss, hin zu: Es ist egal, wo der Arbeitsplatz ist“. Sie wirbt um Offenheit für kreative Lösungen, den Mut Neues zu wagen, etwas auszuprobieren und auch die Hemmung zu verlieren, dass damit größere Umbrüche verbunden sind. „Man muss einfach unverkrampft an das Thema herangehen.“

 

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"berufundfamilie"

Die berufundfamilie gGmbH wurde 1998 von der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung gegründet. Zentrales Angebot an alle privaten Unternehmen und öffentlichen Institutionen sind das Audit „berufundfamilie“ sowie das Audit „familiengerechte hochschule“ für Fachhochschulen und Universitäten. Beide verstehen sich als strategische Marketinginstrumente, die maßgeschneiderte, gewinnbringende Lösungen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie bereithalten. Derzeit tragen rund 700 Unternehmen, Institutionen und Hochschulen das Zertifikat zum Audit. Insgesamt wurden inzwischen mehr als 1.200 Auditierungen – einschließlich der im dreijährigen Turnus stattfindenden Re-Auditierungen – durchgeführt. Das Audit „berufundfamilie“ steht unter der Schirmherrschaft der Bundesfamilienministerin und des Bundeswirtschaftsministers.

 

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