Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung

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Nürnberger Gespräche: „Die Krise produktiv nutzen?“ 

 

Prof. Joachim Möller / IAB eröffnet die Nürnberger GesprächeIAB-Direktor Prof. Joachim Möller


„Die Krise ist ein produktiver Zustand. Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.“ Mit diesem Zitat von Max Frisch eröffnete IAB-Direktor Prof. Joachim Möller am 27. April 2009 die „Nürnberger Gespräche“, die das IAB zweimal im Jahr gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit und der Stadt Nürnberg ausrichtet. Im Historischen Rathaussaal moderierte Maike Rademaker von der Financial Times Deutschland die Gespräche. Zweifelsohne, so Möller, sei die gegenwärtige Rezession die schwerste Wirtschaftskrise seit 1929 und mithin ein veritabler Stresstest für Deutschland. Sie sei jedoch eindeutig nachfrageseitig bedingt und keine tiefgreifende strukturelle Krise, an deren Ende die De-Industrialisierung Deutschlands stehe. Die deutsche Wirtschaft sei in weiten Teilen hoch produktiv und habe in den Qualitätssegmenten auch kein Kostenproblem. Auch der vergleichsweise gut ausgebaute deutsche Sozialstaat erweise sich in der Krise als Vorteil. Zugleich hätten die Arbeitsmarktreformen der letzten Jahre das System anreizkompatibler und damit krisenfester gemacht. Der Staat, so Möller, dürfe in der Krise keine veralteten Strukturen konservieren, er könne aber, um mit Schumpeter zu sprechen, einen plötzlichen Zusammenbruch in einen geordneten Rückzug verwandeln.

„Die Unternehmen müssen jetzt qualifizieren und ausbilden“


Die Podiumsgäste Florian Pronold, designierter Vorsitzender der Bayern-SPD, Franz Josef Pschierer, bayerischer Finanzstaatssekretär, und Frank-Jürgen Weise, Vorstandsvorsitzender der Bundesagentur für Arbeit, stimmten darin überein, dass die Talsohle auf dem Arbeitsmarkt noch nicht erreicht sei. Allerdings seien genaue Vorhersagen über Tiefe und Dauer der Rezession und deren Folgen für den Arbeitsmarkt derzeit kaum möglich. Mehr Konsens als Dissens auch bei der Diskussion über die probaten Instrumente gegen die Krise: Pschierer und Pronold verteidigten im Kern die bisherigen Konjunkturprogramme der Bundesregierung, insbesondere die Verlängerung des Kurzarbeitergeldes auf 18 Monate. Darüber hinaus pflichteten sie Frank-Jürgen Weise bei, der die Unternehmen aufforderte, gerade jetzt in der Krise verstärkt zu qualifizieren und auszubilden sowie ihre Stammbelegschaften zu halten, um für den nächsten Aufschwung, der unweigerlich kommen werde, gerüstet zu sein.

Tatsächlich gibt es Anzeichen dafür — darauf wiesen die IAB-Forscher Dr. Sabine Klinger und Prof. Dr. Lutz Bellmann in ihren Impulsreferaten hin — dass die Betriebe stärker als in früheren Abschwungphasen bereit seien, auf Entlassungen zu verzichten, um einen künftigen Fachkräftemangel zu vermeiden. IAB-Vize Dr. Ulrich Walwei machte in seinem Kurzstatement deutlich, dass staatliche Konjunkturprogramme zwar immer mit unerwünschten Nebenwirkungen und Mitnahmeeffekten verbunden seien, andererseits den derzeitigen Abschwung aber zumindest etwas abmilderten. Staatliche Maßnahmen, so Walwei, müssten vor allem die endogenen Kräfte der Volkswirtschaft stärken. Von den Podiumsteilnehmern sprach sich Pschierer am deutlichsten gegen ein drittes Konjunkturprogramm aus. Dies sei nicht finanzierbar. Ohnehin müsse in den nächsten Jahren eine strikte Ausgabenbegrenzung gefahren werden, wodurch der Gestaltungsspielraum der Politik auf allen Ebenen kleiner werde.


„Die Banken verweigern ihre Arbeit“

Nürnbergs Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly plädierte in seinem Schlusswort für eine Grundsatzdiskussion: Welche Lehren sind aus der Krise zu ziehen? Wie sieht unser Wirtschaftsmodell bei fehlenden Wachstumsraten aus? Was ist die Rolle des Staates? Die Politik, so Maly, sei bislang zu sehr mit dem Löschen des Feuers, zu wenig mit der Brandprävention befasst. Er gab freilich auch zu bedenken, dass die deutsche Wirtschaftskraft selbst bei einem Rückgang von sechs Prozent immer noch das Niveau vom Frühjahr 2005 erreiche. In puncto Konjunkturprogramme wies Maly darauf hin, dass deren Volumen um ein Vielfaches geringer sei als der rezessionsbedingte Steuerausfall für die Städte und Gemeinden und dem daraus resultierenden dramatischen Rückgang der kommunalen Investitionskraft. Heftig kritisierte Maly die aktuelle Kreditvergabepraxis der Banken: Viele Unternehmen steckten derzeit in einer Kreditklemme, weil die Banken geradezu ihre Arbeit verweigerten. 

 

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