Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung

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Tagungsbericht

Field experiments in policy evaluation

Workshop-Teilnehmer

Vom 18. bis 19. Oktober 2012 fand in der Bundesagentur für Arbeit die internationale Konferenz “Field Experiments in Policy Evaluation” statt. Die Tagung wurde vom Forschungsbereich „Arbeitsförderung und Erwerbstätigkeit“ des IAB gemeinsam mit dem Center for Econometrics and Empirical Economics (CEEE) der Universität Mannheim sowie dem Labor and Socio-Economic Research Center (LASER) der Friedrich-Alexander Universität Erlangen Nürnberg veranstaltet. Moderiert wurden die einzelnen Sessions durch Boris Hirsch, Barbara Hofmann, Elke Jahn, Joachim Möller und Arne Uhlendorff.

Gerard van den Berg (Universität Mannheim) wies in einer Einführung zunächst auf die Bedeutung randomisierter Experimente für eine evidenzbasierte Politikberatung hin. Hauptredner der Konferenz waren Bruno Crépon (CREST), Michael Rosholm (University of Aarhus) und Gerard van den Berg.


Bruno Crépon ging in seinem Vortrag auf die Verdrängungseffekte eines Arbeitsmarktprogrammes in Frankreich nach. Ein regional zufällig ausgewählter Anteil von Jugendlichen wurde dort zufällig an private Vermittlungsdienstleister überwiesen. Er zeigte, dass das Programm für die Geförderten zwar effektiv war, aufgrund von Verdrängungseffekten insgesamt sogar einen negativen Effekt auf die Übergänge Jugendlicher in Beschäftigung hatte.


Michael Rosholm gab in seinem Beitrag einen Überblick über die dänischen „Quickly Back to Work“ Experimente. Er ging insbesondere darauf ein, wie sich häufigere Treffen – sowohl in der Gruppe als auch einzeln mit einem Vermittler – auf den Verbleib von Arbeitslosen auswirkten. Im Ergebnis fanden sich positive Effekte für vergleichsweise arbeitsmarktnahe Arbeitslose. Dies galt allerdings nicht für arbeitsmarktfernere Gruppen, bei denen auch unintendierte Wirkungen – wie der Rückzug in die Erwerbsunfähigkeitsrente – auftraten.

Gerard van den Berg präsentierte erste Ergebnisse aus einem Experiment zu einem deutschen Kombilohn. Ältere konnten die sogenannte „Entgeltsicherung“ in Anspruch nehmen, wenn sie nach dem Verlust des Arbeitsplatzes einen geringer entlohnten Job aufnahmen. An zufällig ausgewählte zugangsberechtigte Ältere wurde eine Informationsbroschüre verschickt. Im Ergebnis stieg hierdurch der Bekanntheitsgrad des Instruments deutlich an und mehr Personen nutzten das Instrument.

In der Session I “Disability and health” zeigte Steven Lehrer (Queen's University) für Kanada, dass sich eine zufällige Zuweisung in öffentlich geförderte Beschäftigung positiv auf die Gesundheit und die Beteiligung an gemeinnützigen Tätigkeiten auswirkte. Per Johansson (Uppsala University and IFAU) stellte ein Experiment vor, in dem die Effekte einer zufälligen Zuweisung krankgeschriebener Personen in ein Gesundheits-Screening untersucht wurden. Der Effekt war ungeplant: Teilnehmer wechselten in der Folge eher in eine Erwerbsunfähigkeitsrente als Nicht-Teilnehmer. Lukas Kauer (University of St. Gallen) untersuchte die Effekte von Lohnkostenzuschüssen für Menschen mit Behinderungen, indem Bewerbungsschreiben zufällig über einen vorhandenen Subventionsanspruch informierten. Im Ergebnis zeigte sich, dass die Möglichkeit einen Lohnkostenzuschuss „mitzubringen“, die Chancen auf eine Einladung zu einem Bewerbungsgespräch nicht verbesserte, teils sogar verschlechterte.

In Session II “Recruitment” stellte Stefan Eriksson (Uppsala University) ein Experiment vor, in dem Arbeitgebern Bewerberprofile vorgelegt wurden, die sich zufällig in ausgewählten Merkmalen unterschieden. Die Befunde sprechen für Diskriminierung gegen ältere Personen, Personen mit jüdisch oder muslimisch klingenden Namen sowie Personen mit Übergewicht. Thomas Le Barbanchon (CREST) berichtete aus einem Feldversuch in Frankreich, bei dem (freiwillig teilnehmenden) rekrutierenden Unternehmen anonymisierte Bewerbungen vorgelegt wurden. Im Ergebnis verschlechterte dies die Chancen von Minderheiten, zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen zu werden. Stijn Baert untersuchte die Einstellungschancen ausländischer Jugendlicher in Belgien. Das Verschicken „künstlicher Bewerbungen“, in denen die Nationalität variiert wurde, weist auf Diskriminierung hin, die in Berufen mit einem Bewerbermangel allerdings geringer ausfiel.


Session III “Lessons from the US / Promise grants” wurde eingeleitet durch einen eingeladenen Vortrag von Burt Barnow (George Washington University). Er ging anhand verschiedener Beispiele darauf ein, wieso Replikationen von Experimenten oft nützlich sind und zum Erkenntnisgewinn beitragen können. David Greenberg (University of Maryland) gab einen Überblick über häufig auftretende Probleme bei Feldexperimenten. Stephen Bell (Abt. Associates) ging in seinem Beitrag auf oft geäußerte Bedenken gegen soziale Experimente ein. Larry Orr (John Hopkins University) stellte ein Experiment aus den USA vor, das den Besuch weiterführender Schulen fördern soll: An zufällig ausgewählten Highschools wird Schülern ein Stipendium für den Collegebesuch zugesagt (Ergebnisse liegen hier zurzeit noch nicht vor).

Die Themen von Session IV waren “Identification / Intensive counseling”, Martin Huber (University of St. Gallen) erläuterte, wie sich mittels „inverse probability weighting“ nichtparametrisch direkte und indirekte kausale Effekte identifizieren lassen. Malte Sandner (Universität Hannover) berichtete aus einem Programm, das für zufällig ausgewählte benachteiligte Familien mit Kleinkindern Heimbesuche von Hebammen, Krankenschwestern und Sozialpädagogen finanzierte. Im Ergebnis zeigten sich relativ schwache Effekte auf die mentalen und physischen Fähigkeiten der Kinder, die mit dem Alter zurückgingen. Gesine Stephan (IAB und Universität Erlangen-Nürnberg) stellte abschließend Ergebnisse aus einem Modellversuch der Bundesagentur für Arbeit vor. Dabei wurden Arbeitslose mit Vermittlungshemmnissen zufällig in eine intensive Betreuung innerhalb der beteiligten Agenturen oder aber zu einem privaten Vermittlungsdienstleister zugewiesen. Im Ergebnis waren die intern betreuten Personen in den 18 Monaten nach Zuweisung ein bis zwei Monate weniger arbeitslos.

Wie IAB-Direktor Joachim Möller in seinem Schlusswort herausstellte, gab die Konferenz einen ausgezeichneten und breiten Einblick in das wissenschaftliche Potenzial und das Politikberatungspotenzial von Feldexperimenten.

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