Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung

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Labor market prospects of older workers - International Conference

23. und 24. Oktober 2014

Tagungsbericht 

Die Beschäftigungsperspektiven älterer Arbeitnehmer standen im Mittelpunkt einer internationalen Konferenz in Nürnberg. Die Gesundheit und Produktivität Älterer war dabei ebenso Thema wie die Folgen von Arbeitslosigkeit und die Wirkungen arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen für Ältere.

Workshop-Teilnehmer

Das IAB und das Labor and Socio-Economic Research Center (LASER) der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) veranstalteten am 23. und 24. Oktober 2014 eine internationale Konferenz zum Thema „Labor Market Prospects of Older Workers“. Prof. Gesine Stephan, Leiterin des Forschungsbereichs „Arbeitsförderung und Erwerbstätigkeit” am IAB und Inhaberin des Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Empirische Mikroökonomie, an der FAU, betonte zu Beginn die vielfältigen Facetten des Themas. Dazu gehören die Gesundheit und Produktivität Älterer, Determinanten ihrer Erwerbsbeteiligung und ihrer Ruhestandsentscheidungen, aber auch Folgen der Arbeitslosigkeit und die Wirkungen arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen für Ältere.

Auf der Konferenz wurden in zwei Keynotes und vier Sessions aktuelle Forschungsergebnisse vorgestellt und diskutiert. Prof. Maarten Lindeboom (Vrije Universiteit Amsterdam) ging in seinem Keynote-Vortrag auf den Zusammenhang zwischen psychischer Gesundheit und Ruhestandsentscheidungen ein: Menschen mit psychischen Problemen gehen im Mittel in jüngeren Jahren in den Ruhestand als Menschen ohne psychische Erkrankungen. Für Großbritannien zeigte Lindeboom, dass Betroffene im Vergleich zu Personen ohne mentale Probleme weniger auf finanzielle Anreize reagieren.

Prof. Gerard van den Berg (Universität Mannheim) stellte in einem weiteren Keynote-Vortrag Ergebnisse aus einem randomisierten Feldexperiment zu einem deutschen Kombilohnprogramm für ältere Arbeitnehmer vor. Die Befunde weisen darauf hin, dass zusätzliche Informationen über einen solchen Kombilohn positiv signifikante Effekte auf die Arbeitsmarktchancen älterer Arbeitsloser hatten.


Die Bedeutung von Arbeit für Menschen war Thema der ersten Session. Ulrike Fasbender (Leuphana Universität Lüneburg) untersuchte, welche menschlichen Bedürfnisse die Entscheidung prägen, auch im Ruhestand noch zu arbeiten. Sie zeigte, dass die Wahrscheinlichkeit dafür vor allem mit der persönlichen und sozialen Bedeutung steigt, die der Arbeit zugesprochen wird. Axelrad Hila (Ben Gurion University, Negev) hinterfragte, inwieweit sich der nicht pekuniäre Wert der Arbeit bei jüngeren und älteren Personen unterscheidet. Befragungsergebnisse aus Israel weisen darauf hin, dass älteren Personen eine höhere Kompensation als jüngeren Personen gezahlt werden müsste, damit sie bereit wären, ihre Beschäftigungsverhältnisse aufzugeben. Clemens Hetschko (Freie Universität Berlin) analysierte in seiner Studie, ob der Weg in den Ruhestand für die Lebenszufriedenheit eine Rolle spielt. Im Ergebnis sind Personen, die aus unfreiwilliger Arbeitslosigkeit in den Ruhestand wechselten, signifikant unzufriedener als solche, die zuvor nicht arbeitslos waren.

Die zweite Session hatte Ruhestandsentscheidungen und die Erwerbsquoten Älterer zum Gegenstand. Dr. Kadir Atalay (University of Sydney) untersuchte eine Reform in Australien, bei der das Rentenzugangsalter von Frauen von 60 auf 65 Jahre erhöht wurde. Die Reform hatte einen indirekten positiven Effekt auf die Erwerbsbeteiligung der Partner der betroffenen Frauen, die in der Folge ebenfalls länger arbeiteten. Mario Bossler (IAB) ging der Frage nach, ob es sich auf das Engagement von Mitarbeitern auswirkt, wenn Unternehmen Betriebsrenten anbieten. Einen entsprechenden Befund erklärte er auf Basis der Effizienzlohntheorie. Christopher Osiander (IAB) zeigte, dass in Deutschland die Beschäftigungsquoten älterer Arbeitnehmer im Jahr 2009 höher ausfielen als im Jahr 2004; dabei waren vor allem die Austrittsraten aus Beschäftigungsverhältnissen niedriger.

Die dritte Session widmete sich Fragen der Performanz und Produktivität älterer Arbeitnehmer. Prof. Rui Mata (Universität Basel) stellte für die USA auf Berufsebene die Anforderungen und die Anteile Älterer an den Erwerbstätigen gegenüber:  Mit den physischen Erfordernissen eines Berufs sank der Anteil älterer an den Beschäftigten, mit den sozialen Erfordernissen stieg er hingegen. Dr. Matthias Weiss (Munich Center for the Economics of Aging) untersuchte den Zusammenhang zwischen den Ausfallzeiten aufgrund von Krankheit und der Zusammensetzung von Arbeitsteams. Er zeigte auf Basis deutscher Personaldaten, dass die Ausfallzeiten von Arbeitnehmern weniger mit ihrem absoluten Alter steigen als vielmehr mit ihrem relativen Alter im Arbeitsteam. Paul Eliot Rabesandratana (University of Lille 1) interessierte sich in seiner Arbeit für den Effekt privat finanzierter Ausgaben für die Gesundheit auf die Produktivität älterer Arbeitnehmer – gemessen durch den Lohn. Er stellte positive Effekte fest, allerdings im begrenzten Ausmaß.

Diskussion unter den Teilnehmern

Thema der vierten Session waren Arbeitsentgelte und arbeitsmarktpolitische Maßnahmen. Kadija Charni (Aix Marseille University) überprüfte für Großbritannien, wie sich die Stundenlöhne mit dem Alter entwickeln. Sie stellte fest, dass die in Querschnittsanalysen ermittelten Lohneinbußen von Älteren darauf zurückzuführen sind, dass jüngere Kohorten mit höheren Einkommen in den Arbeitsmarkt eingetreten sind. Dr. Raymond Montizaan (Maastricht University) hinterfragte anhand von Daten für den niederländischen öffentlichen Sektor, ob das Angebot von Weiterbildungsmaßnahmen für Ältere dazu führt, dass diese später in den Ruhestand eintreten wollen. Die empirisch bestätigte positive Beziehung erklärte er durch Reziprozitätsmotive der Beschäftigten. Andreas Moczall (IAB) untersuchte für Deutschland, ob Eingliederungszuschüsse für Ältere auf der betrieblichen Ebene zur Folge hatten, dass in Betrieben, die dieses Instrument nutzten, weniger ungeförderte Beschäftigte beschäftigt wurden. Im Ergebnis konnte er nur in kleineren Betrieben und nach Auslaufen der Subvention entsprechende Substitutionseffekte feststellen.

Mit der Konferenz verfolgten das IAB und LASER das Ziel, den interdisziplinären Dialog über die Beschäftigungsperspektiven älterer Arbeitnehmer zu verstärken. Besonders interessant erscheinen gegenwärtig Studien zur (Weiter-)Beschäftigung beziehungsweise zur Beendigung von Arbeitslosigkeitsepisoden Älterer.  

 


 

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