Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung

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Tagungsbericht "Massenarbeitslosigkeit in Deutschland - Falsche Diagnose, falsche Therapie?"

Prof. Thomas Straubhaar„Beschäftigung hat Vorfahrt“ – soweit besteht Konsens. Über die Ursachen der Arbeitslosigkeit herrscht allerdings keineswegs Einigkeit, über eine wirksame Therapie erst recht nicht. In einem Streitgespräch diskutierten am 27. Juni im Rahmen der Nürnberger Gespräche als Vertreter einer angebotsorientierten Ökonomie Thomas Straubhaar, Präsident des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archivs, und der nachfrageorientierte Ökonom Peter Bofinger, Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, über die Ursachen der hohen Arbeitslosigkeit, die Rolle des Staates in einer globalisierten Wirtschaft und die Wirkungen der Geld- und Fiskalpolitik auf die Beschäftigung.

Prof. Peter BofingerBofinger sprach sich dabei für eine aktivere, temporär auch höhere Defizite in Kauf nehmende Investitionspolitik des Staates aus, nicht zuletzt, um die seit Jahren schwächelnde Binnennachfrage wieder anzukurbeln.

Demgegenüber plädierte Straubhaar für eine primär am Ziel der Haushaltskonsolidierung ausgerichtete Fiskalpolitik, zumal staatliche Akteure vielfach nicht beurteilen könnten, welche Investitionen richtig oder falsch seien.
In der Lohnpolitik befürwortete Straubhaar eine stärkere Dezentralisierung der Verhandlungen, während Bofinger nachdrücklich vor einer weiteren Erosion des Flächentarifvertrags warnte.

Einigkeit bestand hingegen darin, dass die Sozialkosten in Deutschland zu einseitig über den Faktor Arbeit finanziert würden. Dem könne beispielsweise durch höhere Freibeträge bei den direkten Steuern bzw. die Einführung eines Freibetrags bei den Sozialabgaben, verbunden mit einer entsprechenden Anhebung der indirekten Steuern, entgegengewirkt werden.

OB Dr. Ulrich MalyDer Nürnberger Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly, selbst promovierter Ökonom, wies in seinem Schlusswort darauf hin, dass auch die politischen Akteure auf der kommunalen Ebene sowohl die Angebots- als auch die Nachfrageseite im Blick haben müssten. Er betonte zudem die zentrale Rolle der Städte und Gemeinden bei der Investitionstätigkeit in Deutschland – schließlich kämen immerhin zwei Drittel der öffentlichen Investitionen von den Kommunen.

Die Nürnberger Gespräche werden gemeinsam vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, der Bundesagentur für Arbeit und der Stadt Nürnberg veranstaltet. 

 


 

 

 

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