Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung

Navigation zu den wichtigsten Bereichen.

Inhaltsbereich: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung

Tagungsbericht "Determinanten der Beschäftigung - die makroökonomische Sicht"

1. IWH-IAB Workshop zur Arbeitsmarktpolitik in Halle (Saale)

Der Weg aus der Arbeitsmarktkrise - da sind sich alle einig - führt nur über mehr Beschäftigung. An welchen Hebeln kann man ansetzen, was sind die Determinanten der Beschäftigung? Die makroökonomische Sicht darauf stand im Mittelpunkt eines Workshops, den das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) und das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB) gemeinsam am 15. und 16. November 2004 in Halle veranstaltet haben.

In dem Workshop ging es zunächst um die Rahmenbedingungen für Wachstum und Beschäftigung. Hier wurde empirische Evidenz zum Einfluss von Lohnentwicklung und Institutionen, von Geldpolitik und außenwirtschaftlicher Verflechtung präsentiert. In einem zweiten Block wurde anhand aktueller Beispiele der Zusammenhang von Abgabenkeil und Beschäftigung diskutiert.

In dem großen Konferenzraum des IWH trafen sich rund 50 Wissenschaftler/-innen zum Gedankenaustausch – um Ursachenforschung zu betreiben und ihre wissenschaftlichen Methoden zu diskutieren, aber auch, um über Wege aus der Krise und den Nutzen ihrer Ergebnisse für die Politikberatung nachzudenken. Die Umsetzung der wissenschaftlichen Befunde in politisches Handeln muss letztlich Ziel der gemeinsamen Bemühungen um Problemlösungen bleiben.

Die inhaltliche Gestaltung und Moderation des zweitägigen Workshops hatten Susanne Koch (IAB) und Christian Dreger (IWH) übernommen.

Hier ein Überblick über die einzelnen Beiträge, die Links führen zu den verwendeten Vortragsfolien. Die überarbeiteten Vorträge des Workshops werden in einem Tagungsband voraussichtlich Anfang 2005 veröffentlicht. Das IAB wie das IWH werden darüber auf ihren Internet-Seiten berichten.

Begrüßung und Einführung in den Workshop

In seiner „Begrüßung und Einführung in den Workshop“ formulierte Ulrich Walwei (IAB) Thesen zu den Ursachen der anhaltenden Arbeitsmarktkrise. Die hohe Arbeitslosigkeit führte er insbesondere auf die anhaltende Wachstumsschwäche, die zu niedrige Beschäftigungsintensität des Wachstums und den stockenden Aufholprozess in Ostdeutschland zurück.

Folien

nach oben

Die Bedeutung der Lohnentwicklung für die Beschäftigungsschwelle

Gebhard Flaig (ifo) referierte über „Die Bedeutung der Lohnentwicklung für die Beschäftigungsschwelle“. Neue Analysen zu einem alten Thema zeigen den Einfluss der Faktorpreisentwicklung auf die Höhe der Beschäftigungsschwelle. In der langfristigen Perspektive wurde deutlich, dass die Beschäftigungsschwelle seit 1970 merklich zurück gegangen ist - sowohl für die Erwerbstätigen als auch für das Arbeitsvolumen.

Folien

In seinem Korreferat wies Gerd Zika (IAB) darauf hin, dass Forschung über die Analyse hinaus bis hin zur Politikberatung gehen muss: Es stellt sich hier die Frage, ob die Beschäftigungsschwelle aktiv beeinflusst werden kann und wenn ja, wie? Beide waren sich einig, dass es weiteren Forschungsbedarf gibt und dass die Beschäftigungsschwelle nur ein Indikator in einem komplexen Gefüge ist, der zudem in seiner Bedeutung oft überschätzt wird.

Der Einfluss von Institutionen des Arbeitsmarktes auf die Beschäftigungsententwicklung in der Europäischen Union

"Der Einfluss von Institutionen des Arbeitsmarktes auf die Beschäftigungsententwicklung in der Europäischen Union“ war das Thema von Christian Dreger (IWH). Er ging von der These aus, dass Arbeitsmarktinstitutionen möglicherweise selbst Arbeitslosigkeit verursachen, indem sie die Anpassung an strukturelle Änderungen oder Schocks verhindern. In einem internationalen Vergleich zeigt sich, dass (Über-)Regulierungen die Beschäftigungsentwicklung durchaus beeinflussen, aber nicht allein dafür verantwortlich sind. Der Einfluss muss empirisch ermittelt werden; dabei sind Einflussgrößen wie Kündigungsschutz, aktive Arbeitsmarktpolitik, Koordinierung von Lohnverhandlungen oder die Steuerbelastung der Arbeitnehmer zu berücksichtigen.

Folien

Im Korreferat von Christian Gaggermeier (IAB) wurde die Notwendigkeit von theoretischer Fundierung der Schätzgleichungen angemahnt. 

nach oben

Zinsen und Konjunktur in Deutschland. Empirische Evidenz auf Basis eines VAR Modells

Um die Effekte von Zinsschocks ging es in dem Vortrag „Zinsen und Konjunktur in Deutschland. Empirische Evidenz auf Basis eines VAR Modells“ von Boris Hofmann (Deutsche Bundesbank). Das verwendete VAR-Modell (Vektor Autoregressives Modell) ist ein Mehrgleichungsmodell, in dem alle Variablen endogen sind und aus den Vergangenheitswerten der anderen Variablen erklärt werden. Darüber hinaus wurden in der Simulation mit einem Bundesbankmodell Effekte der Zinsentwicklung analysiert. Das Fazit: Die monetären Rahmenbedingungen scheinen für Deutschland gegenwärtig nicht restriktiv zu sein; die quantitativen Ergebnisse hängen stark vom verwendeten Modell und dem Referenzszenario ab.

Folien

Axel Lindner (IWH) ging in seinem Korreferat auf das Ausmaß der Wirkungen ein, wies auf die Grenzen des VAR-Modells hin und erörterte die Plausibilität der Ergebnisse.

Weltwirtschaftliche Einflüsse auf die Beschäftigung in Deutschland – Was hat sich geändert?

Roland Döhrn (RWI) sprach über „Weltwirtschaftliche Einflüsse auf die Beschäftigung in Deutschland – Was hat sich geändert?“ Mit Hilfe des RWI-Konjunkturmodells wurden Effekte einer dauerhaften Erhöhung des Welthandels um 10 Prozent simuliert. Dabei wurde die Reaktion des Exports („kaum“), des BIP („wenig“), der Beschäftigung („relativ wenig“) und des Imports („etwas mehr“) untersucht. Auf den ersten Blick scheint demnach die Globalisierung weniger Einfluss auf die deutsche Wirtschaft zu haben als oft unterstellt. Weiteren Untersuchungen muss vorbehalten bleiben, dieses sicher überraschende Ergebnis genauer zu prüfen.

Folien

Hans-Eggert Reimers (Hochschule Wismar) ging in seinem Korreferat auf das verwendete Modell und die einzelnen Analyseschritte ein.

nach oben

15 Jahre nach dem Fall der Mauer – Einkommen und Finanzkraft

Befunde zur Situation „15 Jahre nach dem Fall der Mauer – Einkommen und Finanzkraft“ präsentierte Martin Koller (IAB): „Finanzierungslücken im Einigungsprozess wurden über Neuverschuldung, nicht zuletzt aber durch die Erhöhung der Sozialabgaben und damit der Lohnnebenkosten gedeckt. Verluste bei Beschäftigungsvolumen und Lohnsummen wurden damit in Kauf genommen – und dies in einer Situation, in der Deutschland mit der Öffnung der Märkte einer stärkeren Standortkonkurrenz mit Niedriglohngebieten ausgesetzt war.“ Zunächst wurde das Basiskonzept des IAB zur Messung von Beschäftigungsvolumen und Lohnsummen erläutert, dann über die Folgen der immensen Transferleistungen nach der deutschen Vereinigung referiert. Ein Fazit von M. Koller: „Ohne eine Steigerung von öffentlichen und privaten Investitionen … können weder Beschäftigungs-, noch Einkommens-, noch Finanzkraftgewinne nachhaltig erreicht werden.“

Folien

In seinem Korreferat ergänzte Joachim Ragnitz (IWH) die Ausführungen zu den Ursachen für die Situation im Osten und nannte „verschleppte Reformen“ als eigentlichen Grund für die Beschäftigungsprobleme in ganz Deutschland.

Beschäftigungseffekte der deutschen Steuerreform 2000 – Ergebnisse einer Mikrosimulationsstudie

Die „Beschäftigungseffekte der deutschen Steuerreform 2000 – Ergebnisse einer Mikrosimulationsstudie“ stellte Peter Haan (DIW) vor. In der Simulation wurde das Haushaltseinkommen von knapp 40 Mio. Haushalten vor und nach der Steuerreform analysiert – in Ost und West, für Paar-Haushalte, für allein stehende Frauen und allein stehende Männer. Die Ergebnisse zeigen, dass die Haushalte von der Steuerreform profitieren und dass es einen signifikanten Zusammenhang zwischen Einkommen und Arbeitsangebot gibt. Bei einer unterstellten Lohnkürzung um 2 Prozent würde etwa die Hälfte des zusätzlichen Arbeitsangebots in Beschäftigung umgesetzt.

Folien

Insbesondere zu diesem Punkt gab es kritische Anmerkungen im Korreferat von Michael Feil (IAB), weil die gesetzte Lohnreaktion nicht realistisch sei.

nach oben

Beitragssätze runter, Beschäftigung rauf? Was bringt eine Abgabensenkung?

Michael Feil und Gerd Zika (IAB) stellten in ihrem Vortrag die Fragen „Beitragssätze runter, Beschäftigung rauf? Was bringt eine Abgabensenkung?“ Die erste Frage könnte man mit einem klaren „ja“ beantworten - wenn da nicht die Gegenfinanzierung wäre. Und darauf kommt es entscheidend an! Das belegten die Referenten eindrucksvoll mit vielfältigen Simulationen einer Senkung der Sozialabgaben um 1 Prozent. Dazu wurden zwei Kreislaufmodelle (IAB/RWI- und IAB/Inforge-Modell) und ein Gleichgewichtsmodell (Pace-L) verwendet sowie verschiedene Finanzierungsvarianten untersucht. Das Fazit der Referenten: „Die Senkung der Sozialabgaben allein ist nicht der Ausweg aus der Beschäftigungskrise, aber sie kann einen Beitrag zum Aufbau von Beschäftigung leisten. Die Simulationen zeigen auch, dass die Ergebnisse nicht nur vom verwendeten Modell, sondern auch von der konkreten Ausgestaltung der Abgabensenkung (Stichwort Finanzierung) und wichtigen Annahmen (Modelleinstellungen) abhängen.“

Folien

Heinz Peter Galler (MLU) folgert in seinem Korreferat: „Die Umfinanzierung der Sozialversicherung hat insgesamt vermutlich eher geringe Beschäftigungseffekte, soweit sich kompensierende Lohn- und Preiseffekte ergeben. Die europäische Währungsunion hat den außenwirtschaftlichen Rahmen verändert und führt eventuell zu stärkeren Effekten – was noch genauer zu prüfen wäre.“

Arbeitsangebotseffekte und fiskalische Auswirkungen eines allgemeinen Sozialabgabenfreibetrags

Den abschließenden Vortrag „Arbeitsangebotseffekte und fiskalische Auswirkungen eines allgemeinen Sozialabgabenfreibetrags“ hielt Hilmar Schneider (IZA). Neu an dieser Untersuchung einer Abgabensenkung sind insbesondere eine differenziertere Unterscheidung der Arbeitszeitkategorien, die Berücksichtigung von Arbeitszeitentscheidungen im Haushaltskontext, eine exakte Bestimmung der Transitionswahrscheinlichkeiten, die Berücksichtigung von Anpassungsreaktionen auf die Gegenfinanzierung sowie eine wohlfahrtsanalytische Bewertung. Das Fazit des Referenten: „Ohne Gegenfinanzierung erreicht der Reformvorschlag die ihm zugedachte Wirkung... Bei Gegenfinanzierung durch eine Pauschalsteuer bleibt die Wirkung weitgehend erhalten; im Durchschnitt kommt es jedoch zu einem leichten Wohlfahrtsverlust. Bei Gegenfinanzierung durch eine Konsumsteuer geht die Wirkung drastisch zurück, der Volumeneffekt ist sogar negativ und im Durchschnitt gibt es deutliche Wohlfahrtsverluste.“

Folien

In seinem Korreferat wies Wolfgang Ochel (ifo) darauf hin, dass die Senkung von Sozialabgaben allein zur Schaffung von Arbeitsplätzen im Niedriglohnbereich nicht ausreicht.

nach oben
 

Infobereich.

Abspann.