Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung

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Inhaltsbereich: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung

Prioritäten setzen, Ressourcen bündeln, Wandel beschleunigen

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Kurzbeschreibung

"Durch die Digitalisierung und den Klimawandel steht die Industriepolitik vor neuen Herausforderungen bei der Unterstützung des industriellen Strukturwandels. Steigende Forschungsfixkosten und Investitionen für neue Game-Changer- Technologien machen es für Unternehmen und Staaten unumgänglich, eine Selektion vorzunehmen und sich auf bestimmte Technologien zu spezialisieren. Die Bundesregierung sollte daher Förderprogramme stärker auf zentrale digitale und klimaschonende industrielle Zukunftstechnologien ausrichten. Die Digitalisierung benötigt zugleich neue Kooperationsformen zwischen Hochschulen, Unternehmen und Staat. Die Trennung zwischen anwendungsnaher öffentlicher Forschung und privaten Investitionen für die kommerzielle Umsetzung ist so oft nicht mehr durchhaltbar. Der Staat muss viel stärker auch in die Umsetzung der Forschung in Produkte investieren. Die Grenzen von vorwettbewerblicher Forschungsförderung und Investitionsbeihilfe werden daher fließend. Aus den Verpflichtungen der Klimaabkommen folgt für die Industrie insbesondere die Notwendigkeit, grundlegende technologische Innovationen für eine Abkehr von fossilen Energien aus Öl, Kohle und Gas zu realisieren. Der Innovationsund Investitionsbedarf ist enorm, die erforderlichen Technologiesprünge haben oft einen sektorübergreifenden, systemischen Charakter und werden nur gelingen, wenn der Staat eine aktive Rolle übernimmt. Dabei geht es sowohl um den Aufbau von Infrastrukturen als auch von Allianzen zur Entwicklung konkreter Schlüsseltechnologien und zur Umstellung von Wertschöpfungsketten bis hin zur massiven Unterstützung bei der Finanzierung von Investitionen. Auch geopolitische Tendenzen zu Protektionismus und einem schärferen Wettbewerb im Dreieck Europa-USA-China lassen keinen Spielraum für ein Weiter-so. Entsprechend finden wir 2019 in der deutschen Industriepolitik Ansätze einer Neuorientierung. Die hierzulande traditionell eher passive Industriepolitik, gekennzeichnet durch die Merkmale Technologieoffenheit und vorwettbewerbliche Förderung, wurde durch selektive Elemente wie die europäischen IPCEI-Vorhaben (Important Project of Common European Interest) in den Bereichen Mikroelektronik und Batteriezellenfertigung, die Wasserstoffstrategie und die SprinD-Agentur für Sprunginnovationen ergänzt. Diese neuen Ansätze sind positiv. Sie sollten begleitend evaluiert, weiterentwickelt und gegebenenfalls in Zukunft auch ausgebaut werden. Derzeit haben wir es zudem mit einer durch die globale Corona-Pandemie ausgelösten makroökonomischen Investitionskrise zu tun. Allein in Deutschland liegen die Ausrüstungsinvestitionen im zweiten Quartal 2020 um fast 30 Prozent unter Vorjahresniveau. Ein geeignetes Instrument für die Verknüpfung von Industrie- und Investitionspolitik zur Unterstützung des notwendigen industriellen Strukturwandels sind konkrete technologieorientierte Investitionsfonds. Mit einer klaren Festlegung auf die ausgewählten Technologien könnten solche gezielten Investitionsförderprogramme neue Partnerschaften von Unternehmen und Staat generieren. Diese Partnerschaften könnten dann einen Beitrag zum Aufbau von Technologieführerschaft und zur Neuausrichtung von Wertschöpfungsketten leisten. Dabei muss auch die europäische Handlungsebene an Bedeutung gewinnen. Der Staat sollte dabei mit den Unternehmen aber nicht nur das Risiko, sondern auch die möglichen Erfolge teilen. Entsprechend sind in dem Konzept einer strategischen Industriepolitik auch Verfahren zu integrieren, wie der Staat an den zu erwartenden Renditen für seine risikoreichen Investitionen in neue Technologien beteiligt werden kann, z. B. durch stille Unternehmensbeteiligungen." (Autorenreferat, IAB-Doku)

Autorin / Autor

  • Belitz, Heike
  • Gornig, Martin
  • Kemfert, Claudia
  • Löckener, Ralf
  • Sundmacher, Torsten

Bibliografische Daten

Belitz, Heike; Gornig, Martin; Kemfert, Claudia; Löckener, Ralf; Sundmacher, Torsten (2021): Prioritäten setzen, Ressourcen bündeln, Wandel beschleunigen * Neue Ansätze in der Industrie- und Technologiepolitik. (WISO Diskurs, 2021,2), Bonn, 36 S.
 

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