Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung

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Inhaltsbereich: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung

Nachruf: Dr. Axel Deeke ✝

Dr. Axel Deeke Dr. Axel Deeke

Dr. Axel Deeke kam am 29. Oktober 1947 in Bremen zur Welt. Er studierte Soziologie, Politikwissenschaft, Geschichte und Erziehungswissenschaften in Marburg und schloss seine Studien dort im Jahr 1973 als Diplomsoziologe ab. Als junger Wissenschaftler wechselte er dann bald an die Sozialforschungsstelle Dortmund und war zudem an der dortigen Universität tätig. Dort promovierte er im Jahr 1990 und war – nach Ende seiner Tätigkeit an der Sozialforschungsstelle im Jahr 1992 – für kurze Zeit als Lehrbeauftragter für Wirtschafts- und Sozialstatistik tätig. Im Jahr 1994 kam Axel Deeke nach Nürnberg an die damalige Bundesanstalt für Arbeit, wo er im gleichen Jahr von der Zentrale ans IAB wechselte. Dort arbeitete er bis zu seinem Eintritt in die Rente in verschiedenen Forschungseinheiten, die sich mit der Evaluation von arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen und Leistungen befassten, zuletzt als Leiter der Forschungsgruppe „Europäischer Sozialfonds“. Seine Forschungsarbeiten setzte er auch im Ruhestand als Gastmitarbeiter des Forschungsbereichs „Erwerbslosigkeit und Teilhabe“ fort.

Axel Deeke war im besten Sinne ein praktischer Soziologe. Für sein Erkenntnisinteresse dürfte seine Herkunft aus einem Arbeiterhaushalt eine deutliche Rolle gespielt haben – denn es ging ihm stets um die Praxis einer sozial gerechten Wirtschaft, die die spezielle Lebenslage, wirtschaftliche Beteiligung und soziale Integration von Beschäftigten und Arbeitslosen im Blick hat. Wie die klassische Wirtschaftssoziologie ging auch Axel Deeke davon aus, dass sich soziale Gerechtigkeit nicht von selbst oder in Marktprozessen herstellt, und dass es dazu nicht nur guter Absichten, politischen Willens und passender Institutionen bedarf, sondern auch analytischer und kritischer Anstrengungen. Sein theoretischer Hintergrund – um den er wenig Aufhebens, jedoch auch keinen Hehl machte – war geprägt von wirtschaftssoziologischen Begriffen wie Macht, Interesse, Organisation, Ungleichheit, Gerechtigkeit, Funktion und Institution. Hinzu kamen Ansätze aus der Wirtschaftstheorie, der Industriesoziologie und der politischen Ökonomie. Axel Deekes wissenschaftliches Werk umfasst eine dreistellige Zahl an Aufsätzen, Forschungsberichten und Büchern; dem Schreiber dieser Zeilen werden vor allem seine Studien zur Weiterbildung von Beschäftigten, zur betrieblichen Mitbestimmung, betriebsnahen Arbeitsmärkten und zu Sprachproblemen als Arbeitsmarkthindernisse für Migrantinnen und Migranten im Gedächtnis bleiben. Auf dem Höhepunkt der finanzmarktgetriebenen Wirtschaftskrise in den Jahren 2008 und 2009 publizierte Axel Deeke mit sicherem Instinkt mehrere Schriften, die die Rolle der Kurzarbeit für die Stabilisierung von Beschäftigung und für den Erhalt betrieblicher Wissensbestände hervorhoben. Aus seinem Erkenntnisinteresse ergab sich unmittelbar sein wichtigstes Anliegen: der Transfer praxisnaher wissenschaftlicher Befunde in die Politik – und zurück in die Praxis selbst. Auch in dieser Hinsicht war er ausgesprochen erfolgreich. Und nicht zuletzt war dieses Anliegen das Motiv für seine Beteiligung am Arbeitskreis Sozialwissenschaftliche Arbeitsmarktforschung, dessen Gründungsmitglied er war.

Axel Deeke war ein Kollege, dessen persönliche Eigenschaften sich schwer auf den Punkt bringen lassen: eigensinnig und beharrlich, selbstredend kritisch gegenüber allen, auch den eigenen Positionen; Begriffe und Befunde genau nehmend und akribisch hinterfragend; solidarisch, auch bei Turbulenzen immer mit einer klaren Analyse und einer guten Idee zur Stelle; pragmatisch und uneitel, stets an der Sache interessiert, ein ausdauernder Denker, für den Wissenschaft praxisrelevant sein und die Praxis wissenschaftlich reflektiert werden musste. Sein „Haste mal 'n Augenblick Zeit?“ – und die daran anschließenden spannenden Diskussionen – werden uns stets in bester Erinnerung bleiben. 

Axel Deeke verstarb am 9. Juli 2014 nach langer Krankheit. Wir werden ihn vermissen.

Markus Promberger im Namen des gesamten Instituts

 

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