Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung

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Mehr als nur eine exzellente Wissenschaftlerin – zum Tod von Susanne Rässler (1962 – 2018)

Prof. Dr. Susanne RässlerDas IAB trauert um Prof. Dr. Susanne Rässler, die am 29. August 2018 ganz überraschend verstarb. Susanne Rässler war als erste Leiterin des Kompetenzzentrums Empirische Methoden am IAB zwischen 2004 und 2007 federführend für den Aufbau und die Ausrichtung des Forschungsbereichs verantwortlich, der insbesondere methodologische Innovationen im Kontext der empirischen Arbeitsmarkt- und Berufsforschung vorantreibt, sich mit Fragen der Datenqualität auseinandersetzt und andere Bereiche des Instituts bei ökonometrischen und statistischen Fragen berät. Nebst ihrem weitreichenden wissenschaftlichen Wirken werden uns ihre schier unerschöpfliche Energie, ihr großes Engagement für Forschung und Lehre, vor allem aber ihre offene und warmherzige Art und ihre Hilfsbereitschaft stets in Erinnerung bleiben.

Nach einer kaufmännischen Ausbildung und anschließendem Studium der Betriebswirtschaftslehre war Susanne Rässler zunächst als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Statistik und Ökonometrie an der Friedrich Alexander Universität in Nürnberg tätig. Dort schloss sie 1995 auch ihre Promotion ab und habilitierte sich 2001 in den Fächern Statistik und Ökonometrie. Im Frühjahr 2004 übernahm sie die Leitung des neugegründeten Kompetenzzentrums Empirische Methoden am IAB. Noch im selben Jahr wurde sie zusätzlich zur Leiterin des Bereiches Produkt- und Programmanalyse der Zentrale der Bundesagentur für Arbeit ernannt. Dort entwickelte sie in Kooperation mit der Harvard University ein umfangreiches Instrumentarium zur wissenschaftlich fundierten Evaluation der von der Bundesagentur initiierten Arbeitsmarktmaßnahmen. Nach einem Ruf auf die Professur für Computational Statistics an der Frankfurt School of Finance & Management im Frühjahr 2007 erfolgte im Sommer 2007 der Ruf auf den Lehrstuhl für Statistik und Ökonometrie in den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg.

Ihr großer Einsatz für die Wissenschaft lässt sich nicht zuletzt an den zahlreichen Ämtern und Funktionen ablesen, die sie im Laufe ihres Lebens innehatte. So engagierte sie sich als Universitätsfrauenbeauftragte und als Studiendekanin, war Mitglied des Rats für Sozial- und Wirtschaftsdaten (2008 – 2014) und der Zensuskommission (2007 – 2013), die den Zensus 2011 wissenschaftlich begleitete. Zudem leitete sie die Methodengruppe des Nationalen Bildungspanels und war Gründungsmitglied der European Association of Methodology (EAM) sowie des Statistiknetzwerks Bayerns, einer Austauschplattform für die Wissenschaft und amtliche Statistik, an der auch das IAB beteiligt ist. Darüber hinaus war sie lange Jahre als Associate Editor für das Wirtschafts- und Sozialstatistische Archiv (ASTA) und das Journal of Official Statistics (JOS) tätig.

In ihrer eigenen Forschung galt ihr Herzblut dem korrekten Umgang mit fehlenden Werten bei Befragungen. Sie war deutschlandweit als die führende Expertin auf dem Gebiet der multiplen Imputation, einem wissenschaftlichen Verfahren zur Ergänzung fehlender Werte, anerkannt. Ihre Expertise führte zu einem regen Austausch mit Prof. Donald Rubin, Harvard University, der das Verfahren ursprünglich entwickelt hatte. Susanne Rässler konnte ihn für zahlreiche Kooperationsprojekte, Forschungsvorträge und als Fellow für das IAB gewinnen.

Jenseits ihrer wissenschaftlichen Exzellenz war Susanne Rässler auch eine überaus menschliche und herzliche Kollegin. Wo sie hinkam, flogen ihr unweigerlich die Sympathien zu. Mitarbeiter und Kollegen schätzten ihre zuvorkommende und weltumarmende Art, mit der es ihr immer wieder gelang, diese für neue Projekte zu begeistern. Zudem war sie eine wunderbare Mentorin für ihre zahlreichen Doktorandinnen und Doktoranden. Der Susi-Effekt galt als allgemein anerkanntes psychologisches Phänomen: Egal wie aussichts- und bedeutungslos einem die eigene Forschung nach Tagen und Wochen des ergebnislosen Grübelns auch erschienen sein mag – ein fünfzehnminütiges Gespräch mit Susanne Rässler verschaffte den Verzweifelten die unerschütterliche Überzeugung, mit einem hoch relevanten Thema kurz vor dem wissenschaftlichen Durchbruch zu stehen. Legendär sind auch die rauschenden „Hoffeste“, die sie mit ihrem Ehemann in ihrem Haus in der Fränkischen Schweiz für Freunde und Kollegen jedes Jahr mit scheinbarer Leichtigkeit ausrichtete. Mit ihr als Gastgeberin fühlte man sich sofort heimisch. Sie berichtete nicht ohne Stolz, dass auf ihren Hoffesten vom zwei Wochen alten Säugling, über den ortsansässigen Orgelbauer bis zu diversen Institutsdirektor/-innen, Bundesverdienstkreuzträgern und anderen Honoratioren schon alles vertreten war.

Rässlers persönliche Leidenschaft war das Fliegen, später das Segeln. Wenn sie mit ihrem kleinen Privatflugzeug ihre Kreise über der malerischen Fränkischen Schweiz zog oder mit ihrem Segelboot die Kanarischen Inseln umrundete, schöpfte sie die Kraft und Energie, die ihre Mitmenschen so an ihr bewunderten. Diese Bewunderung wird bleiben – auch über ihren Tod hinaus.

Dr. Jörg Drechsler
im Namen aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des IAB  

 

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