Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung

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Inhaltsbereich: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung

Antrittsvorlesungen von Gesine Stephan und Lutz Bellmann

Hörsaal der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg


 

Am 22. Dezember 2009 hielten Gesine Stephan und Lutz Bellmann, die im März 2009 Rufe auf Professuren für Volkswirtschaftslehre erhalten hatten, ihre Antrittsvorlesungen an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Beide bekleiden dort seit Mai 2009 Stiftungsprofessuren, bei denen jeweils eine Leitungsposition in einem IAB-Forschungsbereich mit einer Professur mit eingeschränktem Lehrdeputat an der Universität Erlangen-Nürnberg verbunden ist. Professorin Stephan, Leiterin des Bereichs „Arbeitsförderung und Erwerbstätigkeit“ des IAB, hat nunmehr einen Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre mit Schwerpunkt auf Empirischer Mikroökonomie inne. Professor Bellmann, Leiter des IAB-Forschungsbereiches „Betriebe und Beschäftigung“, wurde auf eine Professur für Volkswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Arbeitsökonomik berufen.

Schon bisher gestaltete sich die Zusammenarbeit zwischen Universität und IAB eng und vielfältig. Dies machte Professor Michael Amberg, Sprecher des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften der Universität, in seinem Begrüßungswort deutlich. Er verwies beispielhaft auf das gemeinsame Graduiertenprogramm und den wissenschaftlichen Beirat des IAB, in dem seit seiner Gründung auch Professoren der Universität Erlangen-Nürnberg mitwirken. Dass die enge Vernetzung beiden Seiten zum Vorteil gereicht, davon zeigten sich auch Dr. h.c. Frank-Jürgen Weise, Vorstandsvorsitzender der BA, und Professor Joachim Möller, Direktor des IAB, überzeugt. Für das IAB, so Möller, sei die Einrichtung der Stiftungsprofessuren ein qualitativer Sprung, der die Anbindung des IAB an die universitäre Forschung stärke. Umgekehrt profitiert die Universität von der stärker anwendungsorientierten Wissenschaft am IAB und dessen organisatorischer Nähe zur BA.

 



Gesine Stephan: „Evaluation der aktiven Arbeitsmarktpolitik. Ergebnisse, Erfahrungen, Herausforderungen“

Gesine Stephan machte in ihrer Antrittsvorlesung deutlich, dass die Evaluationsforschung zur aktiven Arbeitsmarktpolitik in den vergangenen 10 Jahren enorme Erkenntnisfortschritte erzielt habe. So ließen sich heute wesentlich verlässlichere Aussagen über die Wirkungen arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen treffen als noch vor wenigen Jahren. Daran habe auch das IAB maßgeblichen Anteil. Während beispielsweise eine verbesserte Betreuungsrelation von Vermittlern zu Arbeitslosen sowie die Förderung mit betriebsnahen Instrumenten die Arbeitsmarktchancen der Geförderten im Mittel verbesserten, sei dies bei privaten Vermittlungsdienstleistungen und öffentlich geförderter Beschäftigung nicht der Fall. Stephan präsentierte auch empirische Befunde aus einem eigenen Forschungsprojekt: Personen, deren Einstellung mit einem Eingliederungszuschuss unterstützt wurde, seien im Schnitt länger beschäftigt als vergleichbare Personen, die ohne Förderung eine Beschäftigung aufnahmen. Damit zahle sich die Förderung unterm Strich auch für die öffentliche Hand aus. Praxisrelevante Ergebnisse liefert - laufend und aktuell - das BA-Informationssystem TrEffeR („Treatment Effects and PRediction“), dessen Entwicklung vom IAB und von Forschern der Harvard University wissenschaftlich begleitet wurde. Dieses stellt für das Führungskräfteinformationssystem der BA zeitnah Schätzungen der Wirkung verschiedener Förderinstrumente bereit, differenzierbar etwa nach unterschiedlichen Teilnehmergruppen und Agenturbezirken.

Trotz enormer Erkenntnisfortschritte haben die Evalutionsforscher noch ein weites Feld zu beackern. Wissenslücken bestehen laut Stephan etwa mit Blick auf die langfristigen Beschäftigungswirkungen relativ neuer Instrumente wie etwa der Arbeitsgelegenheiten. Erheblichen Forschungsbedarf sieht Stephan auch bei Kosten-Nutzen-Analysen sowie bei qualitativ angelegten Untersuchungen zu der Frage, warum bestimmte Maßnahmen wirken oder nicht. Zudem warb Stephan um Verständnis dafür, dass seriöse Evaluationsforschung keine belastbaren Befunde gleichsam „auf Knopfdruck“ liefern könne. Die Wirkung von Fördermaßnahmen könne erst dann systematisch eingeschätzt werden, wenn diese abgeschlossen seien, was etwa bei Umschulungen oder der (bereits wieder abgeschafften) „Ich-AG“ bis zu drei Jahre dauern könne. Abschließend sprach sich Stephan dafür aus, die Forschung so weit wie möglich in die wirkungsorientierte Weiterentwicklung arbeitsmarktpolitischer Instrumente einzubinden. Dies, so Stephan, ist ohne den steten Dialog zwischen Wissenschaft und „Bedarfsträgern“ nicht möglich.

Lutz Bellmann: „Fast volljährig: 17 Jahre betriebliche Arbeitsmarktforschung mit dem IAB-Betriebspanel“

Prof. Lutz Bellmann / IABProf. Lutz Bellmann / IAB

Lutz Bellmann griff zu Beginn seiner Antrittsvorlesung eine Einschätzung des Nobelpreisträgers für Wirtschaftswissenschaften, Paul Krugman, auf, der vom „deutschen Jobwunder“ spricht: Deutschland hat trotz eines überproportional starken Einbruchs seiner Wirtschaftstätigkeit bislang nur einen sehr moderaten Rückgang seiner Beschäftigung zu verzeichnen. Wunder, so Bellmann weiter, sind aber aus wissenschaftlicher Sicht unbefriedigend. Insofern sei es umso erfreulicher, dass auch zu diesem Thema Analysen mit Daten aus dem IAB-Betriebspanel einen signifikanten Erklärungsbeitrag leisten könnten. Hierbei handelt es sich um eine jährliche persönlich-mündliche Befragung von mittlerweile über 15.000 Betrieben, die seit 1993 in Westdeutschland und seit 1996 in Ostdeutschland stattfindet. Die Daten aus dem IAB-Betriebspanel werden auf der Mikroebene mit anderen Datenbeständen des IAB verknüpft und stehen über das Forschungsdatenzentrum des IAB auch externen Forschern im In- und Ausland zur Verfügung.

Arbeitszeitkonten gelten als wichtiges Instrument, um konjunkturbedingte Schwankungen der betrieblichen Arbeitskräftenachfrage auszugleichen. Diese sind in Deutschland stärker verbreitet als in den meisten anderen EU-Ländern und finden sich gerade in der besonders krisengebeutelten Exportindustrie relativ häufig, wie Daten des IAB-Betriebspanels für das Jahr 2009 zeigen. Die verbreitete Nutzung von Arbeitszeitkonten ist laut Bellmann einer der entscheidenden Erklärungsfaktoren für das Jobwunder in Deutschland - neben der generösen Kurzarbeiterregelung und dem sich abzeichnenden Fachkräftemangel, den die Betriebe schon jetzt in ihrer Personalpolitik antizipieren. Weniger klar ist die Erklärungskraft betrieblicher Bündnisse für Beschäftigung und Standortsicherung, der finanziellen Beteiligung der Mitarbeiter am Erfolg und Kapital der Unternehmen auf die bemerkenswerte Krisenresistenz des deutschen Arbeitsmarktes. Bellmann sieht hier noch erheblichen Forschungsbedarf. Auch dafür ließen sich die Daten aus dem IAB-Betriebspanel in vielfältiger Weise nutzen. Weitere Studien, die gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Krise von besonderem Interesse sind, betreffen betriebliche Reorganisationsmaßnahmen, die Produktivitätsentwicklung sowie das betriebliche Einstellung- und Entlassungsverhalten. 

Momentaufnahmen bei den Antrittsvorlesungen und Ausklang im Foyer der Universität Erlangen-Nürnberg

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Antrittsvorlesung im Hörsaal der Universität Erlangen-Nürnberg
Karen Schober und Christian Brinkmann /IAB-Mitarbeiter im Ruhestand
Frank-Jürgen Weise / Vorstandsvorsitzender der BA, Ulrich Walwei / Vizedirektor IAB (v.l.n.r.)
Prof. Reinhard Hujer und Prof. Gerhard Kleinhenz (v.l.n.r.)
Prof. Knut Gerlach
Gesine Stephan /IAB im Gespräch mit Prof. Claus Schnabel / Uni Erlangen-Nürnberg und Prof. Wolfgang Meyer / Uni Hannover
Heitere Gesprächsrunde u.a. mit Prof. Claus Schnabel /Uni Erlangen-Nürnberg, Lutz Bellmann und Prof. Regina Riphahn /Uni Erlangen-Nürnberg
Knut Gerlach (Mitte)
Fachgespräche zwischen Ulrich Wenzel /IAB und Fam. Ross
Prof Gerhard Kleinhenz und Prof. Grüske /Uni Erlangen-Nürnberg (v.l.n.r.)
Fam. Stephan
Prof. Martin Abraham /Uni Erlangen-Nürnberg
Ulrich Wenzel und Claudia Baur /IAB
Rege Diskussion zwischen Prof. Joachim Möller /IAB und Prof. Hujer (v.l.n.r.)
Gute Stimmung bei Gesine Stephan, Guido Heineck, Herbert Brücker /IAB (v.l.n.r.)
Gäste
Angeregte Gespräche zwischen Uwe Blien, Prof. Olaf Struck /Uni Bamberg und Corinna Kleinert /IAB (v.l.n.r.)
Gäste
Torben Schewe /BA und Martin Schludi /IAB (v.l.n.r.)
Rege Diskussion zwischen Prof. Gerhard Kleinhenz, Prof. Lutz Bellmann /IAB  und Frank-Jürgen Weise /Vorstandsvorsitzender BA (v.l.n.r.)
Fam. Bellmann
Fam. Bellmann
Fam. Bellmann
Zuhörer der Antrittsvorlesungen
 

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