Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung

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Inhaltsbereich: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung

Tagungsbericht
Labour, Market and Inequality 

Keynote Speaker Colin Crouch bei seinem Vortrag im Workshop Labour, Markets and Inequality

Der Trend ist eindeutig: In allen fortgeschrittenen Industriestaaten, so IAB-Direktor Joachim Möller, nimmt die Ungleichheit zu. Dies gelte seit Mitte der 90er Jahre auch für Deutschland — einem Land, in dem der Abstand zwischen den niedrigsten und den höchsten Einkommen bis dato vergleichsweise moderat war. Seither wächst auch bei uns der Niedriglohnsektor. Ist dieser Trend umkehrbar? Oder ist dies der Preis, den wir in einer globalisierten Wirtschaft zu zahlen haben, um international wettbewerbsfähig zu bleiben? Gibt es einen Trade-off zwischen Gleichheit und Effizienz?

Fragen, die sich gerade in der gegenwärtigen Wirtschaftskrise in verschärfter Form stellen — fürchten doch viele, dass insbesondere die Normal- und Geringverdiener die Lasten der Krise zu tragen haben. Grund genug für das IAB, Forscherinnen und Forscher aus dem In- und Ausland zusammenzubringen, um das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven zu diskutieren.

Diesem Ziel diente der interdisziplinäre Workshop „Labour, Markets and Inequality“, der mit über 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmern auf reges Interesse stieß. Der Workshop, der am 24. und 25. September 2009 in Nürnberg stattfand, wurde gemeinsam mit dem Ausschuss für Sozialpolitik des Vereins für Socialpolitik und der Sektion für Soziale Ungleichheit und Politische Soziologie der Deutschen Gesellschaft für Soziologie ausgerichtet. Die zumeist stark empirisch ausgerichteten Beiträge des Workshops befassten sich nicht nur mit dem Thema Lohnungleichheit, etwa zwischen den Geschlechtern, sondern auch mit den Verteilungswirkungen des Steuer- und Transfersystems. Höhepunkte des Workshops waren aber zweifelsohne die Vorträge der eingeladenen Hauptredner, die die wissenschaftliche Diskussion mit grundlegenden theoretischen Überlegungen befruchteten und strukturierten: 

John E. Roemer / Yale UniversityJohn E. Roemer /
Yale University

 Der Industriesoziologe Colin Crouch, Leiter des Instituts of Governance and Public Management an der Warwick Business School und Mitherausgeber der Zeitschrift für ArtbeitsmarktForschung, skizzierte in seinem Vortrag einen theoretischen Rahmen zur Analyse des Spannungsverhältnisses zwischen Flexibilität und Ungleichheit auf dem Arbeitsmarkt in international vergleichender Perspektive („Flexibility and security on the labour market: an analysis of the governance of inequality“). Eine dynamische Wirtschaft, so Crouchs’ These, sei gleichermaßen auf vertrauende Verbraucher („confident consumers“) und flexible Arbeitnehmer angewiesen, wobei es unterschiedliche Strategien gebe, um beide Ziele zu erreichen.

John E. Roemer, Ökonomieprofessor an der Universität Yale und ein ausgewiesener Experte auf dem Forschungsfeld der Verteilungsgerechtigkeit („distributive justice“), befasste sich in seinem Vortrag mit der Frage, inwieweit die Hauptfunktion von Märkten eher in der Koordination wirtschaftlicher Aktivitäten oder eher im Setzen materieller Anreize besteht („Incentive provision and coordination as market functions“). Davon, so Roemer, hänge es letztlich ab, ob der Staat in der Lage sei, in großem Umfang materielle Ressourcen ohne substanzielle Einbußen an ökonomischer Effizienz umzuverteilen.

Anlass zu reger Diskussion gaben die Ausführungen von Claus Offe, Professor für Politische Soziologie an der Hertie School of Governance in Berlin (Vortragstitel: „Varieties of labor market inequality: Some benign, some not so“). Auch Bezieher hoher Einkommen bekundeten eine Präferenz für eine Begrenzung von Ungleichheit. Zudem, so Offe, zeitige ein hohes Maß an Gleichheit eindeutig positive ökonomische und gesellschaftliche Folgen, wie das Beispiel der skandinavischen Länder zeige.

Für den Workshop wurden über 30 Papiere eingereicht. Daraus wählte eine aus Ökonomen und Soziologen bestehende Kommission insgesamt 22 Beiträge aus. Der Auswahlkommission gehörten Bernd Fitzenberger (Universität Freiburg), Christian Lahusen, Wolfgang Ludwig-Mayerhofer (beide Universität Siegen), Viktor Steiner (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) und Rainer Trinczek (Universität Erlangen-Nürnberg) an. Seitens des IAB waren Joachim Möller, Markus Promberger und Ulrich Walwei beteiligt.

 

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