Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung

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Inhaltsbereich: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung

Wissenschaft trifft Praxis
Podiumsdiskussion zur Konferenz "Ältere am Arbeitsmarkt - Chancen, Risiken und Handlungsansätze" am 9. und 10. Juli 2013

Podiumsdiskussion

Nachdem die Moderatorinnen und Moderatoren die zentralen Ergebnisse aus den drei Workshops im Plenum vorgestellt hatten, diskutierte eine hochrangig besetzte Podiumsrunde über die Lehren, die daraus zu ziehen sind. Teilnehmer waren Annelie Buntenbach, Vorstandsmitglied des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Dr. Gerwig Kruspel, Vizepräsident der Human Resources Strategy der BASF Group, Dr. Elisabeth Neifer-Porsch, Ministerialdirektorin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Uwe Minta, Bereichsleiter für „Programme und Prozesse / Aktive Arbeitsförderung SGB III“ der BA, IAB-Vizedirektor Dr. Ulrich Walwei sowie Oliver Zander, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall. Moderiert wurde die Runde von der freien Journalistin Margaret Heckel, die sich auch als Buchautorin mit dem Thema befasst.

Buntenbach: Viele Ältere sind nur prekär beschäftigt.

Einig war sich das Podium darin, dass das Thema der Beschäftigung Älterer aufgrund des demografischen Wandels künftig noch an Bedeutung gewinnen wird – sowohl für Arbeitgeber als auch für Arbeitnehmer. „Der Druck auf die Unternehmen erhöht sich, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen“, betonte IAB-Vize Walwei. Die Gewerkschafterin Buntenbach beklagte indes, dass viele ältere Arbeitnehmer prekär beschäftigt seien. Sie arbeiteten häufig in nicht existenzsichernden Mini-Jobs. Intensiv diskutiert wurde die Frage, inwieweit Wirtschaft und Politik die Beschäftigung von Älteren fördern können. Oliver Zander von Gesamtmetall vertrat die Meinung, dass die Unternehmen zwar wüssten, dass sie aufgrund des demografischen Wandels mit einem Fachkräftemangel zu rechnen haben, dessen Ausmaß aber oft noch unterschätzen.

Neifer-Porsch sieht positive Entwicklung

Einen positiven Trend sieht Elisabeth Neifer-Porsch vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales: Der Einstellungswandel habe bereits stattgefundenen. Die Unternehmen stellten mittlerweile verstärkt Ältere ein und immer mehr Arbeitnehmer seien bereit, bis zur Regelarbeitsgrenze zu arbeiten. Auch seien „die heute 55-Jährigen viel gesünder als die 55-Jährigen vor 10 bis 15 Jahren“.


Positives Beispiel BASF: Jährliche Gesundheitschecks für alle Beschäftigten

Alle Diskutanten sahen die Erhaltung der Gesundheit als eine zentrale Voraussetzung für die Beschäftigung im Alter. Als Beispiel für eine präventive Maßnahme, die der Gesundheitsvorsorge der Beschäftigten jeden Alters dient, nannte Gerwig Kruspel das optionale Angebot eines jährlichen Gesundheitschecks für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der BASF. Auch „Weiterbildung“ und „Wissensmanagement im Unternehmen“ wurden in der Podiumsrunde als wichtige Themen genannt, denen sich Betriebe mit alternden Belegschaften verstärkt annehmen müssen. Als kritisch wurde die Situation bei arbeitslosen Älteren eingeschätzt, die auf einen Wiedereinstieg in Arbeit hoffen. Neben der mitunter unzureichenden Qualifikation erweist es sich laut Walwei als Problem, dass die Betroffenen in den seltensten Fällen wieder ihr früheres Einkommensniveau erreichen. Um wieder in Beschäftigung zu kommen, müssten viele „Abstriche beim Gehalt machen“, schlussfolgerte er.

Zander: Manche Unternehmen könnten sich gezwungen sehen, ihre Produktion ins Ausland zu verlagern.

Aus der Sicht von Zander ist das schwerwiegendere Problem weniger die Qualifikation der Arbeitnehmer als vielmehr die fehlende Anzahl an Bewerbern, insbesondere bei technischen Berufen. Viele Unternehmen, glaubt Zander, könnten ihre Entscheidungen für oder gegen einen Standort unter anderem davon abhängig machen, ob es genügend Bewerberinnen und Bewerber für ihre offenen Stellen gebe. Andernfalls könnten sich manche Unternehmen gezwungen sehen, verstärkt im Ausland zu rekrutieren oder zu produzieren. Kruspel betonte demgegenüber, dass sich die Unternehmen vor allem als attraktive Arbeitgeber platzieren müssen, etwa durch lebensphasenorientierte Karrierepfade für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Minta: BA verstärkt das Beratungsangebot für die Betriebe.

Inwieweit Unternehmen auf die demografische Herausforderung reagieren, hängt häufig von deren Größe ab. Buntenbach moniert, dass es bisher in erster Linie die großen Konzerne seien, die sich mit dem Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit Älterer auseinandersetzen und bereits bestimmte Präventions-Programme eingeführt haben. Dies seien aber lediglich „einzelne Leuchttürme“, während sich das Gros der kleinen und mittleren Unternehmen noch nicht ausreichend mit dem Thema befasst habe. Sie betonte, dass insbesondere diese Unternehmen ein Beratungsangebot der BA brauchen. Neifer-Porsch nannte in diesem Zusammenhang die Initiative Demographie-Netzwerk, die kleine und mittlere Unternehmen dabei unterstützen soll, sich auf alternde Belegschaften einzustellen. Uwe Minta betonte, dass sich auch die BA zur Aufgabe gemacht habe, ihr einschlägiges Beratungsangebot, insbesondere für mittelständische Betriebe, auszubauen.


Walwei: „Prävention ist der Königsweg!“

IAB-Vize Ulrich Walwei machte in seinem Schlusswort nochmal die vielfältigen Facetten des Themas deutlich. Für den Einzelnen gehe es um ein gesichertes Einkommen – auch im Ruhestand. Zugleich dürften die volkswirtschaftlichen Folgen des demografischen Wandels nicht außer Acht gelassen werden. Dieser böte den Älteren aber auch neue Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Grundsätzlich betrachtet Walwei die Entwicklung der Beschäftigung von Älteren als positiv, verschweigt aber nicht, dass die Gruppe der Älteren – im Vergleich zu Arbeitnehmern aus anderen Altersgruppen – nicht nur Stärken, sondern auch spezifische Schwächen aufweist. Prävention ist für Walwei der Königsweg, um mit dem Problem alternder Belegschaften umzugehen, sei es im Bereich der Gesundheit, sei es im Bereich der Fort- und Weiterbildung. Abschließend regte Walwei an, in zehn Jahren wieder eine Konferenz zu diesem Thema auszurichten, um sich dann erneut über die bis dahin erzielten Fortschritte auszutauschen.
Fotos: © IAB/Jutta Palm-Nowak

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